Hündin oder Rüde - der kleine Unterschied

Hündin oder Rüde – Der kleine, aber feine Unterschied

Wer einem kleinen Yorkshire Terrier ein Zuhause geben möchte, egal ob Welpe oder ausgewachsener Yorkie, stellt sich früher oder später die Frage: Hündin oder Rüde?

Erkennt Ihr auf den ersten Blick, ob der Yorkie auf dem Bild ein Rüde oder eine Hündin ist?

Einige geschlechtliche Unterschiede sind ja offensichtlich. Aber unterscheiden sich Hündinnen und Rüden auch im Verhalten? Und wieviel Einfluß darauf hat die Sozialisierung und der Charakter des Vierbeiners?

Oder aber entscheidet letztendlich das Bauchgefühl? Oder das Herz?

Meine Erfahrungen

Bei mir war die Entscheidung für einen Rüden beim ersten Yorkie ganz einfach. Die auserwählte Züchterin hatte Schmusehuendineinen Wurf mit 3 Rüden, also wurde es: Genau, ein Rüde 😉

Und diese Entscheidung habe ich nie bereut. Oftmals wird ja gesagt, dass Hündinnen einfühlsamer, sanfter und schmusiger seien. Jeder, der bereits beide Geschlechter zuhause hatte, wird hier ein Veto einlegen. Es gibt unter Hündinnen sehr „männliche“ Exemplare und unter Rüden wahre Kampfschmuser.

Unsere Hündin Amy ist bekanntermaßen unser Rudelchef. Sie ist eine Rüdin, durch und durch. Eine was? Ihr wisst nicht, was das ist? Dann lest mal meinen Artikel: She is a bitch – Die Rüdin. Sie ist dominant, schwer zu erziehen und hebt beim Pinkeln das Bein. Gleichzeitig ist sie super entspannt und möchte am liebsten immer kuscheln.

Der älteste Rüde in unserem Rudel ist Kimi. Er ist ein Streber wenn es um Kommandos geht, die Erziehung war super leicht. Allerdings lernte er erst mit der Zeit, dass Kuscheln toll ist. Er hat den niedrigsten Rang im Rudel und kommt damit super klar. Allerdings ist er sehr hormongesteuert. Er markiert wie ein Weltmeister und sobald läufige Hündinnen in der Nähe sind, ist er auf und davon.

Deckruede Yorkshire Terrier Biewer BlanketDritter im Bunde ist unser Jüngster: Blanket. Hättet Ihr auf Anhieb erkannt, dass das oben auf dem Foto ein Rüde ist? Nein? Dabei ist Blanket unser Deckrüde. Interessanterweise interessiert er sich nur für die läufige Hündin, wenn sie wirklich in ihren Stehtagen ist. Davor und danach will er nur eins: Spielen. Und das am liebsten den ganzen Tag lang. Und wenn das nicht geht, dann halt fressen. Oder schmusen.

Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass keine Hündin pauschal lieber ist oder ein Rüde pauschal unabhängiger.

Wer vor der Wahl, ob es eine Hündin oder ein Rüde werden soll, steht, der sollte sich als erstes der geschlechtlichen Vor- und Nachteile bewußt sein.

Die Hündin

Der wichtigste Grund sich gegen eine Hündin zu entscheiden, ist oftmals die Läufigkeit. Jeder Hündinnen-Besitzer kennt das: Zweimal im Jahr mutiert die sonst so gutmütige und gehorsame Yorkie-Dame hormonbedingt zu einer Zicke oder auch einem Murmeltier. Auch wenn man gut aufgepasst hat, sämtliche willige Rüden abgewehrt und Wiesen, Wälder, Hundeschule und Ausstellungen vermieden hat, kann es passieren, dass Madame scheinschwanger wird und uns sämtliche Anzeichen „der guten Hoffnung“ vorlebt. Da werden Spielzeuge und Leckerchen gehortet und beschützt, die gute Erziehung meist vergessen.

Huendin AmyBesonders schön auch, wenn man eine nicht ganz so reinliche Hündin zu Hause hat. Viele Hündinnen halten es nicht für nötig, während der Läufigkeit die hinterlassenen Flecken selbst zu beseitigen. Ganz zu schweigen von den Flecken auf Teppichen, Möbeln, Kleidung, etc. . Da hilft oft nur ein Läufigkeitshöschen.

Oder eben Kastration… Was beim Rüden noch eine verhältnismäßig kleine OP ist, ist bei der Hündin nicht nur aufwändiger, sondern auch um einiges kostspieliger. Bis zu 400,- € inkl. Vor- und Nachuntersuchung muß man schon investieren. Und das Gerücht, dass eine Kastration der Hündin, das Krebsrisiko um ein Vielfaches senkt, ist ja inzwischen auch mehr als überholt. Ihr glaubt das nicht? Dann überzeugt Euch selbst.

Und wer glaubt, dass Hündinnen friedlicher im Umgang mit Artgenossen sind als Rüden, der hat noch nie einen Kampf zwischen zwei Hündinnen erlebt. Während es bei den Rüden oftmals nur um Imponiergehabe geht, geht es bei Hündinnen bitter ernst zu. Wenn die richtig kämpfen, dann geht es oft wirklich um Leben oder Tod.

Der Rüde

Wird eine Hündin in der Nachbarschaft läufig, leidet meist der eigene Rüde. Er jault, bellt, verweigert das Fressen. Oder aber er markiert nicht nur draußen jeden Grashalm, sondern auch in der Wohnung sämtliche Möbel. Oder aber versucht ständig abzuhauen, um der Verehrten seine Aufwartung zu machen. Besonders schön, wenn um einen herum die Hündinnen nacheinander läufig werden.

Rüden wird oft nachgesagt, dass ihre Hemmschwelle niedriger und daher das Aggressionspotential höher sei und sie öfters in Streitereien mit Ruede BlanketArtgenossen, demnach anderen Rüden, verwickelt seien. Meist geht es hier allerdings um nichts anderes als Imponiergehabe bzw. Dominanz. Schwanzvergleich sozusagen lol

Was einen ganz besonders nerven kann, ist tatsächlich das Markieren. Mal eben raus zum Pipi machen und ab nach Hause kann man mit fast allen Rüden getrost vergessen. Da wird geschnüffelt was der Park oder Wegesrand so hergibt, und jedes Pipi benachbarter Rüden muß natürlich übermarkiert werden. Wenn man ganz viel Pech hat und den Rüden läßt, ist man innerhalb einer Stunde gerade mal 500 Meter weit gekommen.

Bei manchen Rüden denkt man so schnell ebenfalls über eine Kastration nach. Diese birgt im Gegensatz zu der Kastration einer Hündin weniger Gefahren und kostet auch deutlich weniger, ein Allheilmittel bezüglich Aggressionen, Revierverhaltens oder anderer unerwünschter Verhaltensweisen ist diese allerdings nicht.

Hündin oder Rüde, Rüde oder Hündin?

Was der Hündin Nachteil ist natürlich automatisch des Rüden Vorteil und umgekehrt.

Ich habe ganz bewußt oben, sowohl bei der Hündin als auch beim Rüden, eher die Kriterien aufgeführt, die gegen die Wahl des einen oder anderen Geschlechts sprechen könnten.

Ruede KimiDenn: Jeder Hund ist ein Individuum mit einem eigenen Charakter und Verhalten. Und dies ist nicht „nur“ hormongesteuert, sondern beeinflußt durch Erfahrungen und Erziehung. Wenn die Fellnase bereits als Welpe gewisse Erfahrungen gemacht hat und/oder durch mangelnde Erziehung Verhaltensweisen nicht korrigiert wurden, dann wird aus dem Kleinen sicher kein „Vorzeigehund„. Egal, ob männlich oder weiblich.

Vielleicht ist die Hündin im Wurf sehr dominant, während der Rüde der Liebste der Welt ist.

Wenn einem die naturbedingten Gegebenheiten egal sind und keine weiteren Umstände im Umfeld wie Zweithund etc. dagegen sprechen, empfehle ich, einfach auf das Herz zu hören, wenn es um die Wahl des Geschlechts geht. Schließlich geht es um eine Entscheidung für eine hoffentlich lange Zeit und da hat es noch nie geschadet, eher seinen Gefühlen als dem Verstand zu trauen, oder?

Natürlich interessiert mich, warum Ihr euch für eure Hündin oder euren Rüden entschieden habt. War es aus dem Bauch heraus oder spielten gewissen Faktoren eine Rolle? Hinterlasst mir Eure Erfahrungen gerne unten als Kommentar…

4 Antworten
  1. Patricia
    Patricia says:

    Ich hatte eine echte Rüdin mit allem was dazu gehört: dreimal im Jahr läufig, jedes Mal scheinträchtig und am Ende dann Gesäugetumore. Nun bekomme ich einen Rüden. Die Entscheidung war keine Entscheidung. Es war Zufall. Ich bin total gespannt darauf, mit einem Rüden zusammenzuleben. Wie du in deinem interessanten Artikel schreibst, gibt es ja wieder ganz andere Herausforderungen zu beachten. Mal schauen, wie es wird……

    Antworten
    • Kellie Jaxson
      Kellie Jaxson says:

      Hallo Patricia!

      Vielen Dank für die lieben Worte!

      Da hast du ja eine aufregende und spannende Zeit mit deinem Rüden vor dir. Als Ausgleich bekommst du jetzt bestimmt eine männliche Schmusebacke lol

      Würde mich freuen, wenn du uns berichtest 😉

      LG Kellie

      Antworten
  2. Emmelys Frauchen
    Emmelys Frauchen says:

    Ein super informativer Artikel!
    Als erster eigener Hund kam für mich nur ein Rüde in Frage – das war vorallem ein Bauchgefühl. Ich hatte vorher hauptsächlich mit Rüden gearbeitet und häufig zickige Hündinen kennen gelernt. Und ein Therapiehund, der mindestens zwei mal im Jahr für locker einen Monat ausfällt – oder noch länger .. ach das musste ja auch nicht sein. Während ich darauf wartete, dass die ausgesuchte Hündin läufig wurde, habe ich Rüdennamen gesucht… Als nach einem halben Jahr der Wurf endlich da war, stand mein Name eigentlich fest – Emil oder Limo. Im Wurf waren 4 Rüden – zwei davon im bevorzugten Farbschlag. Und nur einer davon gefiel mir ganz gut. Aber ganz gut reicht eben nicht.. Also habe ich einen Blick auf die Mädels geworfen – und direkt in das Indianermädchen verliebt. Und zufälligerweise hatte die Zücherin für sie den Namen Emmely ausgewählt — Und innerhalb von Sekunden wurde aus dem Rüden ein Mädchen.
    Darüber bin ich super froh und würde mich immer wieder für ein Mädel entscheiden.

    Liebste Grüße
    Lizzy und Emmely, die eigentlich ein Emil sein sollte

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    • Kellie Jaxson
      Kellie Jaxson says:

      Hey Ihr beiden!

      Vielen Dank für das Kompliment. Freut mich natürlich sehr, dass euch der Artikel so gut gefällt.

      Ist schon interessant, wie das Leben manchmal so spielt. Ich denke, das ist Schicksal. Ihr wart und seid eben füreinander bestimmt.

      Ich hatte mich beim ersten Hund auch nicht festgelegt, sondern es auf mich zukommen lassen. Da es nur Rüden im Wurf waren, hat mir die Entscheidung letztendlich abgenommen.

      Bei Amy waren es nur Mädchen, aber wir wußten bereits vor der Geburt, dass Kimi eine Schwester bekommen sollte. Amy ist heute eine der schönsten und tollsten Hündinnen, die ich kenne und wir könnten kaum glücklicher sein.

      Blanket war ja nicht geplant. Aber wir haben dieses kleine Geschöpf gesehen und uns auf den ersten Blick verliebt. Er war für uns bestimmt.

      Man sieht, manchmal sollte man sich auf das Schicksal und sein Herz verlassen. Dann wird alles gut.

      Und ich glaube, deine Emmely wußte schon vor dir, dass du sie wolltest 😉

      LG Kellie

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