Hunde als Kinderersatz

Sind unsere Hunde ein Kinderersatz?!

Vor ein paar Wochen auf habe ich einen Artikel mit dem Titel „Kinderersatz Hund!?“ von meiner Hundebloggerkollegin Anna Lenz auf ihrem Blog Canistecture gelesen und seitdem viel darüber nachgedacht.

Anna ist 24 Jahre alt und lebt mit ihrem Freund und den Tierschutzhunden Lemmy und Iggy ein ausgeglichenes Leben. Ohne Kinder. Und das ganz bewußt.

Nun bin ich nicht mehr Mitte 20. Lebe aber, wie Anna, mit meinem Lebensgefährten und unseren 3 Yorkies ebenfalls ein ausgeglichenes und schönes Leben. Ohne Kinder. Und auch wir tun dies ganz bewußt.

Warum, mag sich nun der ein oder andere fragen? Weil wir uns dafür entschieden haben. Gegen alle Konventionen, Vorurteile und gesellschaftlichen Rollenbilder. Wir sind anders und das ist gut so.

Auch wenn dies sicher einer meiner persönlichsten Artikel wird und ich auch mit viel Gegenwind rechne, möchte ich Euch gerne erklären, warum wir glücklich sind, so wie wir sind…

Das Leben ist nicht schwarz oder weiß.

Me and KimiZuerst möchte ich betonen, dass ich Euch heute nur meine persönliche Geschichte erzählen möchte. Viele von Euch werden nicht meiner Meinung sein und das ist auch gut so. Jeder von uns soll ganz individuell entscheiden, wie er sein Leben gestalten möchte. Es ist nicht alles schwarz oder weiß, sondern gerade die Grautöne dazwischen machen diese Welt und jeden darin doch so spannend.

Wer meint, mich verurteilen zu müssen, nur weil ich ein Leben gewählt habe, das so anders ist als das der meisten Menschen, der soll dies tun. Vieles davon werde ich sicher schon gehört haben, einiges wird mir am berühmten Popo vorbeigehen.

Wir leben in einer modernen Zeit, in einer modernen Gesellschaft und wir haben das Glück, per Gesetz ein Recht auf freie Meinung und Meinungsäußerung zu haben.

Was das alles mit meiner Eingangsfrage „Sind unsere Hunde ein Kinderersatz“ zu tun hat? Sehr viel und dazu komme ich jetzt.

Ich möchte überhaupt nicht darauf eingehen, ob es gut oder schlecht ist, Haustiere, und gerade Hunde, als Kinderersatz zu sehen und zu behandeln. Über dieses Thema wurde von anderen bereits zur Genüge geschrieben. Viel mehr möchte ich Euch meine persönliche Geschichte erzählen, in dem Kinder keine Rolle spielen, dafür unsere Hunde eine umso größere.

Wie ich wurde, was ich bin.

Mein Bruder Markus

Mein Bruder Markus

Ich bin in einer tollen Familie aufgewachsen. Meine Eltern sind bereits seit über 40 Jahren verheiratet und ich habe sie in der ganzen Zeit noch nie streiten sehen. Mein Bruder ist ein paar Jahre jünger als ich und hing als Kind wie eine Klette an mir. Ich war sein großes Vorbild und was immer ich tat, wollte auch er tun. Wir hatten ein schönes Eigenheim, in dem auch meine Großeltern wohnten und aufgrund unserer Allergien ein paar unkuschelige Haustiere wie Fische und Wasserschildkröten.

Wie viele meiner Freundinnen hatte ich als Jugendliche einen Job als Babysitterin. Über zehn Jahre lang habe ich auf zwei tolle Jungs einer wohlhabenden Familie im Ort aufgepasst. Meist einmal die Woche abends, wenn die Eltern ausgegangen sind. Wir haben gespielt, ich habe sie Bett-fertig gemacht und auch mal getröstet oder geschimpft als sie im entsprechenden Trotz-Alter waren. Später waren wir gemeinsam auf der Kirmes, haben Hausaufgaben gemacht oder ich habe ihnen Englisch-Nachhilfe gegeben. Es war eine tolle Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte.

Schon damals, mit ungefähr 14 Jahren wurde man manchmal gefragt, ob man irgendwann auch mal Kinder möchte und meine Antwort lautete: Nein! So richtig ernst genommen hat das zu der Zeit noch niemand, ich wurde eher belächelt.

Als ich älter wurde, begannen die ersten meiner Freundinnen zu heiraten und Familien zu gründen. Während ich mein Leben genoss, keine Party ausließ und zum Studium in die USA aufbrach, ging es bei ihnen nur noch um den Nachwuchs. Gemeinsame Unternehmungen wurden weniger und wenn mal Zeit für ein Treffen war, kannten sie keine anderen Themen mehr. Viele jahrelange Freundschaften zerbrachen. Ich merkte, dass ich plötzlich nicht mehr viel mit ihnen gemeinsam hatte.

Natürlich kam auch hier wieder die Frage, wann es denn bei mir so weit wäre. Wieder war meine Antwort: Ich möchte keine Kinder! Ich weiß gar nicht wie oft ich gehört habe, dass die innere Uhr schon irgendwann ticken würde.

Dann kam der 30.te Geburtstag. Noch immer war ich unverheiratet und kinderlos. Dafür hatte ich viel Freiheit, beruflich wie privat. Die kleinen Anspielungen von Freunden und Familie überhörte ich gekonnt. Für mich war es viel wichtiger zu tun und zu lassen was ich wollte und wann ich es wollte. Ich hatte weder den Wunsch noch den Drang nach einer Beziehung, einer Familie oder einem Eigenheim.

Glück ist…

Vor etwas mehr als 6 Jahren war die Zeit reif für mich, einem süßen kleinen Hund ein Zuhause zu schenken. Schon lange träumte ich davon, jetzt endlich passte es und so trat mein erster Yorkie, Kimi, in mein Leben. Ich muß gestehen, dass dieses niedliche kleine Fellknäul mich völlig verzückt haben. So geht es mir immer, wenn ich ein Hundebaby sehe. Ich bin total aus dem Häuschen und möchte es am liebsten ständig knuddeln.

Den meisten Frauen geht es wahrscheinlich ähnlich, wenn sie ein Menschenbaby sehen oder halten dürfen. Ehrlich gesagt, diese Gefühle hatte ich noch nie. Babygeschrei und das wilde Getobe von Kleinkindern? Kann ich drauf verzichten. Keine guten Voraussetzungen, oder?

Je älter ich wurde, umso mehr bestärkte sich mein Gefühl, dass Kinder und ich einfach nicht füreinander gemacht sind. Ich kann es mir nicht vorstellen, mein Leben radikal umzustellen, meine Freiheit aufzugeben.

Mathias mit Yorkie Blanket

Mathias mit Yorkie Blanket

Auch wenn ich bereits seit einigen Jahren in einer festen Beziehung bin, hat sich dies nicht geändert. Mein Lebensgefährte ist ganze 15 Jahre jünger als ich. Hat aber von Anfang an meinen Wunsch geteilt, dass Kinder kein Thema sind.

Gemeinsam haben wir inzwischen ja drei zuckersüße Yorkshire Terrier, die wir abgöttisch lieben. Wir würden alles für sie tun. Sie bekommen das beste Futter, Streicheleinheiten, dürfen ins Bett und aufs Sofa. Sicher werden sie verwöhnt. Sie haben teure Körbchen, Halsbänder, Leinen und sogar Pullöverchen und Mäntelchen. Täglich werden sie gepflegt und dürfen toben, wie sie Lust und Laune haben.

Ihr könnt mich gerne auch bescheuert nennen, aber wenn wir die drei mal alleine zu hause lassen müssen, dann sagen wir sogar „Mama und Papa kommen gleich wieder“. Man verfällt schnell mal in Babysprache, wenn man einen Vierbeiner zu hause hat. Vielen von euch wird es sicher auch so gehen, auch wenn sie es nicht zugeben. Ich stehe dazu!

Also doch…

Wenn man das so liest, könnte man in der Tat davon ausgehen, dass bei uns die Hunde ein Kinderersatz sind. Doch wenn man keine Kinder will, wie soll man sie dann ersetzen wollen? Wir verbringen viel Zeit mit ihnen, sie sind Familienmitglieder. Und zwar pflegeleichte.

Welches Baby schläft bereits mit wenigen Wochen durch? Welches Kleinkind ist bereits mit wenigen Monaten trocken? Welches Kind könnte man bereits mit einem Jahr alleine zu Hause lassen? Welcher „Teenager“ befolgt eure Regeln?

Seien wir mal ehrlich, das Leben mit Hund ist um einiges einfacher als mit einem Kind. Wenn ich manche Eltern so beobachte, habe ich eher das Gefühl, dass sie von ihren Kindern genervt sind. Statt liebevoll mit ihnen umzugehen wird geschimpft und gezerrt. Und dann noch diese berühmt-berüchtigten Helikopter-Eltern, die ihre Kinder mit ihrer Fürsorge erschlagen, statt sie zu eigenständigen Individuen zu erziehen.

Will ich so sein? Ganz klar: Nein!

Unsere Yorkshire Terrier uns ihre Spielzeuge

Ich bin glücklich mit dem was ich habe, mit dem, was ich bin. Ich möchte für nichts in der Welt mit einer Mutter tauschen. Ich vermisse nichts. Ich bin froh, dass nur eine Uhr tickt, die ich noch nie gehört habe. Und das meine Eltern inzwischen akzeptiert haben, niemals Großeltern zu werden.

Wenn man es genau nimmt, sind sie es bereits. Seit mehr als 6 Jahren.

20 Antworten
  1. Gaby Dapprich
    Gaby Dapprich says:

    Hallo toll geschrieben👍. Ich habe zwei Jungs im Alter von 14 und 16 Jahren. Bienchen haben wir seid 2Jahren und 3 Monaten bei uns. Es ist mein Mädchen ein Familienmitglied nicht nur ein Hund. Wir sagen auch Mama und Papa ist auch ok. Was andere sagen ist mir auch egal. Ich liebe sie alle💖. Wir möchten keinen missen. 😉

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      • Ute Friese
        Ute Friese says:

        Wir sind auch Mama und Papa unsere Zwerge und wir Sch…. drauf was andere von uns denken. Hast du so toll geschrieben. Kinder habe ich aber auch, die Zeit ist aber schon lange hinter mir.

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        • Kellie Jaxson
          Kellie Jaxson says:

          Richtig so. Ob ich meinen Hund nun Hund nenne oder mein Baby oder wir uns beim Vornamen nennen oder Mama und Papa vor den Hunden sagen ist doch wirklich völlig schnuppe. Solange jeder weiß was gemeint ist. Wir lieben unsere „Babys“ und nur das zählt 😉

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  2. shivawuschl
    shivawuschl says:

    Hallo Kellie,

    ich lese deine Geschichte und sie könnte meine sein. Gut, ich hab nicht studiert und keinen Lebensgefährten… Aber der Kinderwunsch, der so viele meiner Freunde ereilt hat, der ging rasant an mir vorbei. Ich habe eine Nichte und einen Neffen, die ich sehr liebe und die auch meine Patenkinder sind. Aber eigene? Never! Dazu genieße ich meine Leben viel zu sehr in meiner Unabhängigkeit. Seit meinem 15. Lebensjahr ist immer ein Hund an meiner Seite. Das reicht mir vollkommen. Meine Eltern haben es akzeptiert, dass von meiner Seite kein Nachwuchs kommt bzw. nur vierpfotiger mit Fell und inzwischen habe ich einen ganz anderen Freundeskreis, der oft meine Einstellung teilt oder deren Kinder schon erwachsen und aus dem Nervalter raus sind. 😜

    Flauschige Grüße
    Sandra und Shiva

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    • Kellie Jaxson
      Kellie Jaxson says:

      Hi Sandra!

      Meine Eltern haben es echt nicht einfach. Mein Bruder will nämlich auch keine Kinder. Aber wenn wir sie mit unseren drei Hundis besuchen, dann sind sie happy. Gut, meine Mama etwas weniger als mein Papa. Die hat ein wenig Angst vor Tieren. Aber es wird immer besser.

      Mein Freundeskreis hat sich echt komplett gewandelt. Viele davon sind um einiges jünger als ich oder eben so alt, dass die Kinder schon aus dem Haus sind. Aber das ist gut so. Ich habe nämlich keine Lust, die ganze Zeit nur über Kinder zu sprechen, zumal ich da gar nichts beitragen kann. Obwohl, mit anderen Hundehaltern redet man schon viel über seine Hunde. Vielleicht sind wir nichts besser lol

      LG Kellie

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  3. Socke-nHalterin
    Socke-nHalterin says:

    Ich habe keine Kinder, wobei es Phasen in meinem gab, wo ich mir die Gründung einer Familie hätte vorstellen können. Meistens war der Wunsch nicht da und nun ist das Thema durch.

    Ich wünsche mir sehr, dass Socke keine Kindersatz ist und ich sie nicht wie ein Kind, sondern wie einen Hund behandle. Sie hat nichts anderes verdient…..

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    Antworten
    • Kellie Jaxson
      Kellie Jaxson says:

      Hey Ihr beiden!

      Da wir keine Kinder wollen, würden wir auch keine durch unsere Hunde ersetzen wollen. Sie sind Familienmitglieder, keine Frage. Aber sie sind immernoch Hunde und auch als solche leben.

      LG Kellie

      Antworten
  4. Victoria und Timmy
    Victoria und Timmy says:

    Hallo!

    Schön geschrieben!
    Ich bin 25 und ob ich mal Kinder möchte?Vielleicht. Momentan kann ich es mir aber überhaupt nicht vorstellen. Uns wird auch ständig vorgehalten, wir sehen Timmy als unseren Kindersatz an. Aber ich sag immer wieder, dass ich ja gar nicht weiß, ob ich mal Kinder will. Und wie du schon sagst: Wie soll man was ersetzen, was man vllt gar nicht möchte?
    Er ist einfach ein vollwertiges Familienmitglied. Nur eben mit 4 Beinen und viel Fell. Es ist wie bei euch: Nur das beste für ihn.
    Wir sagen auch Mama und Papa. Unsere Eltern sind Oma und Opa 😉 Aber er ist und bleibt dabei trotzdem Hund.
    Wir hören auch ständig Fragen, wann es denn bei uns soweit sei. Müssen uns immer häufiger Geschichten von Windeln und deren Inhalt an hören… Aber wehe dem ich erzähle dann von Timmys voller Analdrüse oder wedel mit dem Kacktütchen herum 😉

    Liebe Grüße von uns 🙂

    Antworten
    • Kellie Jaxson
      Kellie Jaxson says:

      Hallo Victoria!

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich mußte echt schmunzeln, hätte von mir sein können 😉

      Ist wohl echt einfacher, „unter Seinesgleichen“ zu sein. Eltern mit Eltern und Hundehalter mit Hundehalter. Wobei es auch darunter viele gibt, die kein anderes Thema als ihren Hund kennen. Das nervt auf Dauer genauso, wie nur über Windeln und Co. zu reden. Leider habe ich gemerkt, dass viele, die Eltern geworden sind, plötzlich auch schneller altern, warum auch immer. Alte Schulkollegen habe ich plötzlich nicht mehr wiedererkannt, wenn sie mir in der Stadt begegneten.

      Also, ich finde es ehrlich gesagt sehr praktisch, dass unsere „Kinder“um einiges schneller „stubenrein“ und „flügge“ sind, als die Kinder meiner Kollegen 😉

      Schönes Wochenende und schönen Gruß an Timmy

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  5. Vegan-Century
    Vegan-Century says:

    Ich habe zwei Jungs, 7 und 10 Jahre alt und einen großen Hund. Mein Mann und ich reden auch so mit unserem Hund, Mama und Papa, genau wie mit den Kindern. Ich habe auch Freunde die auf Kinder verzichten mussten und welche die sich bewusst dagegen entscheiden haben und finde es absolut normal, dass das jeder für sich entscheidet. Niemals würde ich so eine Entscheidung gegen Nachwuchs ktitisieren, jeder soll so glücklich werden wie er mag, so lange es niemandem schadet. Nur aus Pflichtgefühl Nachwuchs zu bekommen bringt niemandem etwas.
    Das einzige was ich (etwas kritischer)anmerken möchte ist, dass es mir wichtig ist, dass der Hund nicht darunter leidet, weil er wie ein Mensch behandelt wird. Wenn das nicht der Fall ist- völlig okay seinen Hund zu verwöhnen!

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    • Kellie Jaxson
      Kellie Jaxson says:

      Fidne ich echt super, dass Du niemanden wegen seiner Entscheidung pro oder kontra Kind verurteilst. Das macht (leider) nicht jeder.

      Ich stimme völlig überein, dass ein Hund immernoch ein Hund bleiben muß. Auch wenn wir eine Rasse haben, die ja gerne mal wie Püppchen angezogen oder ausgestellt wird. Da halte ich echt nix von. Klar, es ist witzig, wenn man ihnen mal eine Sonnebrille aufsetzt oder eine witzige Frisur macht, aber das sollte die Ausnahme bleiben. Sie mögen es eh lieber, sich im Dreck zu wälzen und durch den Wald zu toben. Und das sollen sie auch.

      LG Kellie

      Antworten
        • Kellie Jaxson
          Kellie Jaxson says:

          Ja, das ist echt traurig, aber so war es bei mir leider.

          Gestern noch am eigenen Leib erlebt: Der Neffe meines Lebensgefährten sollte das erste Mal alleine bei seinem Opa in Deutschland bleiben, weil Mama und Papa eingeladen waren. Die wohnen normalerweise in Holland.

          Nach dem Essen, sagte ich noch „lass uns abhauen, bevor das Geplärre losgeht“. Ich hatte es nicht ganz ausgesprochen, da gings auch schon los. Manchmal hasse ich es, Recht zu haben. Damit war der Abend dann auch gelaufen lol Zumindest für die.

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