Auf den Hund gekommen: Pfotenfreunde

Allgemein bekannt ist sicher inzwischen, dass wir unsere drei Yorkshire Terrier als Welpen vom Züchter geholt haben. Wenn man sich für diesen Weg entscheidet, beschäftigt man sich in der Regel bereits vorher monatelang mit Fragen wie: Welche Rasse soll es sein? Hündin oder Rüde? Reinrassig oder Mischling?

Alternativ dazu gibt es auch das Prinzip Wundertüte… Wer einen Hund aus dem Tierheim oder Ausland adoptieren möchte, der macht seine Entscheidung sicher an anderen Faktoren fest.

Wie sagt man so schön: Die Wege des Herrn sind unergründlich. Genau nach diesem Motto gibt es die interessantesten und schönsten Geschichten, wie man eigentlich „auf den Hund gekommen“ ist ab sofort hier meinem Blog.

Den Anfang macht Daniela Wübbena vom Hundeblog Pfotenfreunde. Sie machte aus Inuki (Schäferhund/Riesenschnauzermix aus einem Ups-Wurf) und Skadi (Working Cocker Spaniel aus Bulgarien) eine tolle kleine Familie

Wie ich ein Frauche wurde

Gerne erinnere ich mich an meine Anfangszeit im Studium zurück. Ich war gerade mit Ghandi nach GhandiWilhelmshaven  gezogen. Wollte studieren und gucken, wohin es mich dann verschlägt – natürlich zusammen mit Ghandi. Aber wie so oft im Leben kommt es anders als man denkt.

Ghandi hatte Probleme mit der Stadt. Er war es nicht gewohnt mit so viel Verkehr und so vielen Menschen auf einmal klar zu kommen. Er war zunehmend gestresst. Sicherlich haben wir trainiert aber meine damalige Wohnsituation gab kein stressfreies Training her. Tür auf und schon waren wir im Tumult. Als wenn das noch nicht genug war, vermissten meine Eltern und auch meine kleine Schwester ihren Ghandi unheimlich.

Da Liebe bekanntlich auch bedeutet loslassen zu können, entschied ich mich dafür das Ghandi bei meinen Eltern bleiben durfte. Für ihn war es die richtige Entscheidung. Für mich ein schwerer Schritt.

Ich lebte fortan ein nerdiges Studentenleben. Feiern gehörte jedoch nicht dazu. Schließlich mussten meine Abenteuer in der Welt von World of Warcraft bestritten werden. Da gab es keine Zeit für Feierlichkeiten oder anderen Freizeitaktivitäten außerhalb Azeroths.

Eine Freundin von mir, ebenfalls dreifaches Frauchen, konnte sich das Elend nicht mehr mit ansehen. Sie pflanzte mir den irrigen Gedanken eines eigenen Hundes in den Kopf.

Ich war Student, musste lernen und hatte eine ungewisse Zukunft. Wie sollte da ein Hund Platz finden? Aber letztendlich hatte ich mich doch bereits für ein Leben mit Hund entschieden – ob nun mit Ghandi oder mit einem anderen Hund änderte nichts an den Voraussetzungen und Folgen.

Inuki – Schäferhund/Riesenschnauzer-Mix aus dem Ups-Wurf

Inuki - Ups-Wurf

Inuki – Ups-Wurf

Ich hatte also den Entschluss gefasst, mir in den Semesterferien einen neuen Begleiter zu suchen.

Es sollte ein Border Collie werden – schließlich war ich auch mit Ghandi im Obedience und Trickdogging aktiv, das sollte so auch bleiben. Und der Border eignete sich einfach hervorragend dafür. Die Züchter selbst hatte ich mir schon ausgeguckt gehabt.

Aber wie ich eingangs bereits erwähnte – es kommt immer anders … .

Die besagte Freundin schickte mir eine Anzeige aus einer Facebook Hundegruppe von kleinen Schäferhund x Riesenschnautzer Welpen. Nein sagte ich zu mir selber. Ein Ups Wurf? Niemals. Außerdem, der Gedanke daran einen Schäferhund zu halten, weckte Erinnerungen an meine Wara, der erste Hund in meinem Leben, die bereits mit noch nicht mal 8 Jahren erlöst werden musste. Sie hatte den Kampf gegen den Krebs verloren.

Aber meine Freundin sagte, gucken kostet nix. Bis dato wusste ich nicht, dass man niemals nie Welpen gucken gehen sollte … . Im Nachhinein jedoch eine meiner besten Entscheidungen in diesem Leben.

Obwohl dies nur ein Ups-Wurf  gewesen ist, hatten die Welpen alles was sie brauchten. Familienanschluss, gutes Aufzuchtsfutter, waren 24/7 im Haushalt dabei und viel im Garten der vor dem Haus lag. So haben die Kleinen gleich alles kennengelernt, was auf friesischen Straßen typisch ist. Der wöchentliche Tierarztcheck war ebenfalls ein muss für Inuki. Bei einem gutem (richtigen) Züchter hätte es nicht besser laufen können.

Trotzdem würde ich jedem von dem Kauf eines Ups-Welpen abraten. Die Gefahr, an Vermehrer zu geraten, ist sehr hoch. Ich hatte Glück und habe mir die Zuchtstätte sehr genau angesehen und überlegt, bis ich den Schutzvertrag unterschrieben hatte.

Daniela mit Inuki

Daniela mit Inuki

Von den Fotos her sollte es wenn dann eine Hündin werden. Aber als ich dort gewesen bin sprang der Funke nicht über. Stattdessen sah ich den „kleinen Vogel“ wie seine „Züchterin“ ihn immer nannte.

Ich entschied mich also für den kleinen Vogel und nannte ihn Inuki. Fortan besuchte ich ihn mehrmals die Woche, übte mit ihm Bus- und Bahnfahren, kaufte die komplette Grundaustattung in mind. 5-facher Ausführung bis ich ihn dann in der 9.ten Woche endgültig abholte.

Inuki war ein einfacher Welpe. Stubenreinheit brauchte man ihm nicht beibringen, das war er von Anfang an. Auch machten ihm die ganzen Umweltreize nichts aus. Bus- und Bahnfahren nutze er zum schlafen (seinerzeit hatte ich kein Auto).

Natürlich machte ich auch mit Inuki meinen Hundesport. Obedience und Trickdogging. Inuki war schon als kleiner Welpe immer sehr motiviert und bereit mit mir zusammenzuarbeiten. Er lernte super schnell und hatte auch Spass dran, neue Sachen selbstständig zu erlernen (shapen). Couchpotato? Klar, aber nur nach getaner Arbeit.

Einzig und allein das Alleine-bleiben stellte eine Hürde dar. Schließlich war ich Studentin und konnte mir die Zeit frei einteilen. Auch lebte ich in einer WG, wo er selten alleine gewesen ist. Erst als ich anfing zu arbeiten musste er es lernen. Und da war er bereits 1 Jahr alt. Sicherlich, 1, 2 Stunden waren keine Herausforderung. Aber von heute auf morgen 8 Stunden? Schon eine Hausnummer. Diese hat er aber gut verkraftet.

Skadi – ein „gemeines Biest“ aus Bulgarien?

Dennoch fühlte ich mich schlecht. Lange Zeit alleine, das muss nicht sein. Schließlich schickte mir besagte Freundin wieder eine Anzeige. Dieses Mal von einer kleinen jungen Hündin aus Bulgarien die bereits ein Zuhause in Deutschland gefunden hatte aber zurückgegeben wurde. Angeblich weil sie „ein gemeines Biest“ sei. So landete sie im Nachbardorf auf eine Pflegestelle.

Skadi hat Angst

Skadi hat Angst

Ein Zweithund? Meine Gedanken spielten Schach. Jede Eventualität wurde durchgekaut. Bis ich dann einige Informationen über sie einholte und sie schlussendlich besuchte. Zu dem Zeitpunkt war sie gerade läufig, sodass Inuki warten musste bis er seine neue Mitbewohnerin kennenlernen durfte.

Aber als es dann soweit gewesen ist – die Ernüchterung. Inuki und die Hündin fanden sich nicht schrecklich oder schlimm. Ganz im Gegenteil. Sie gingen sehr entspannt miteinander um aber das wars auch. Euphorie? Nö, gespielt wurde nicht. Zusammen geschnüffelt jedoch schon. Dennoch entschied ich mich für die Hündin und nannte sie Skadi.

Die Tierschutzorganiation führte bei uns zu Hause eine Vorkontrolle durch. Anschließend wurden die Formalitäten erledigt. Ich unterschrieb den Schutzvertrag, übergab die Schutzgebühr und bekam dafür Skadi (die bis Dato noch Zoya hieß) und ihre Papiere. Einige Tage später holten wir sie ab.

Skadi heute

Skadi heute

Aber so einfach wie Inuki war Skadi dann doch nicht. Dadurch das sie in Bulgarien in einem Hinterhof relativ reizarm aufgewachsen ist hat sie ein Deprivationssyndrom. Deprivation ist eine entwicklungsbedingte Störung. Durch die äußerst reizarme Aufzucht in Bulgarien ist Skadis Gehirn nicht so entwickelt wie das anderer Hunde und gar nicht auf das Leben außerhalb eines Hinterhofes eingestellt. Sie hat für sich eine gute Allzwecklösung gefunden: Aggression, prinzipiell gegen alles was sie nicht kennt und wo sie Angst vor hat.

Somit fällt es Skadi schwer sich an Situationen anzupassen, ist sehr stressanfällig und wenn ihre Impulskontrolle aufgebraucht ist auch sehr unberechenbar. Fahrräder. Autos, Roller, Spaziergänger, Kinder, alte Menschen, Menschen wie Puk die Stubenfliege etc. all das machte ihr unglaubliche Angst und weckte die Angstaggression. Ich sah also kein gemeines Biest, sondern einfach eine überforderte Junghündin in einer für sie unbekannten Welt. Aber auch diese „Probleme“ haben wir mit dem richtigen Training in den Griff bekommen.

Alles wird gut…

Inzwischen müssen die beiden nur noch 4 Stunden alleine bleiben, und bald arbeite ich von Zuhause aus. Dennoch denke ich, zwei Hunde, das ist noch mal ganz was anderes als nur mit einem Hund. Und diese Erfahrung möchte ich nicht mehr missen. Und ich bin mir sicher, Einzelhundehalter werde ich nicht mehr.

Skadi und Inuki - ein unschlagbares Team

Skadi und Inuki – ein unschlagbares Team

Die Dynamik, die Interaktion und Kommunikation zwischen den beiden ist faszinierend anzuschauen. Auch wenn die beiden nicht miteinander auf Spaziergängen spielen (Ausnahmen gibt es natürlich) so bin ich mir sicher, dass die beiden sich auch sehr mögen. Maulfechten, gemeinsames Schlafen im Körbchen und das problemlose Kauen an Leckerchen in der Gegenwart des anderen bestätigen mich in meiner Annahme und ich bin froh damals diesen Weg gegangen zu sein und würde ihn jederzeit wieder gehen.

Unverhofft kommt oft oder wie nennt man das noch. So oder so ähnlich kann man Daniela’s Geschichte wohl beschreiben. Interessant, wie aus einer gewünschten Border Collie Hündin ein Schäferhund-Riesenschnauzer-Mix Rüde wurde und mit einem „ein gemeines Biest“ die Familie komplettiert wurde.

Die schönsten Geschichten schreibt wohl das Leben. So muß nicht immer der Gang zum Züchter und der reinrassige Welpe die richtige Wahl sein.

Vielen Dank an Daniela, Inuki und Skadi, dass Ihr eure rührende Geschichte mit uns geteilt habt. Wie sie ihr ungewöhnlichs Leben meistern, erfahrt Ihr auf Pfotenfreunde.

 

5 Kommentare
  1. danielawuebbena
    danielawuebbena says:

    Vielen Dank dass ich mich mit einem Artikel in deinem Blog verewigen durfte. Mir hat es wahnsinnig Spass gemacht in der Vergangenheit zu schwelgen und über die Welpenfotos zu schmunzeln.

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

    Antworten

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  1. […] über Tierschutzhund bis Ups-Wurf ist alles dabei. Und unter anderem auch die Geschichte von mir, Inuki und Skadi.  Wenn ihr also wissen wollte, wie unterschiedlich der Weg zum Hund sein kann, besucht Kellie und […]

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