Vom Wunsch, nur einmal Welpen zu haben…

Fast jeder Besitzer einer unkastrierten Hündin kommt irgendwann an den Punkt, an dem er sich überlegt, ob man nicht wenigstens einmal im Hundeleben Welpen haben möchte. Dieser Wunsch ist mehr als verständlich, schließlich hat man die schönste, klügste und tollste Hündin der Welt und natürlich möchte man der Hündin die Freuden der Mutterschaft nicht vorenthalten. Und außerdem hat man irgendwo gelesen, dass sich das Risiko von Gebärmutterkrebs damit senken läßt.

Macht so ein Besitzer den Fehler, öffentlich nach Tipps und Erfahrungen zu fragen, kann er sich auf einen ausgewachsenen Shitstorm (auf dt. Sturm der Entrüstung) gefasst machen. Erfahrene Züchter und solche die sich dafür halten sowie sämtliche Tierschützer werden einem die gemeinsten Dinge an den Kopf werfen. Horrorgeschichten sind da noch das harmloseste, was man daraufhin zu hören bekommt. Ebenso die Frage, ob nicht in Tierheimen bereits genügend arme Hunde sitzen. Man wird als übler Vermehrer bezeichnet, der nur seine Hündin ausbeuten will.

Richtig ist: Jeder, der seine Hündin belegen läßt züchtet! Dessen sollte man sich bewußt sein. Und Züchten Yorkie Mama Amy und ihr Welpe Bradybedeutet Verantwortung für das Leben und Wohlergehen der Hündin und Welpen zu übernehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nun im VDH, der Dissidenz oder ohne Verein züchtet.

Richtig ist: Eine Belegung sollte gut überlegt sein! Schon vorher müssen viele Punkte geklärt werden. Sowohl die Läufigkeit als auch die Geburt und Aufzucht birgt Gefahren und Risiken. Ohne gute Vorbereitung und Unterstützung von erfahrenen Personen und Tierärzten sollte man keinen Wurf planen.

Richtig ist: Die deutschen Tierheime sind voll mit Hunden, die auf eine neue Familie warten! Ob nun Fundtier, aus dem Ausland importiert oder aus anderen Gründen dort gestrandet: Sicher sind ganz tolle Hunde darunter, die ein schönes Leben verdient haben. Letztendlich muß es aber jedem selbst überlassen werden, ob er einen Hund vom Züchter oder aus dem Tierheim bevorzugt. Die Gründe, sich für einen bestimmten Hund zu entscheiden sind so unterschiedlich, wie die Menschen selber. Und diese Entscheidung kann man niemandem aufzwingen.

Nur einmal Welpen habenRichtig ist: Vermehren ist eines der schlimmsten Dinge, die man Hunden antun kann! Vermehrer sind für mich Verbrecher. Sie lassen die Hündinnen bei jeder Hitze belegen. Sie lassen sowohl die Hündin als auch die Welpen krank, reizarm und ohne Kontakte und Sozialisierung vor sich hin vegetieren. Sie sind nur an Profit interessiert. Wer sich hingegen liebevoll um seine Hündin und die Welpen kümmert, ist in meinen Augen kein Vermehrer. Ich finde es anmaßend, jeden zu verurteilen, der über einen Wurf nachdenkt. Und das, ohne diesen Halter und die Umstände zu kennen.

Richtig ist: Jeder Züchter hat irgendwann mit der Zucht begonnen! Demnach hat jeder Züchter irgendwann darüber nachgedacht, seine Hündin zu belegen und einen Wurf zu haben. Dass dieser zu dem Zeitpunkt bereits über wahnsinnig viel Erfahrung verfügte, perfekt vorbereitet und auf alle Eventualitäten eingestellt war, wage ich zu bezweifeln. Selten verläuft eine Trächtigkeit und Geburt nach einem bestimmten Schema. Immer wieder wird man vor neuen Situationen stehen. Auch ein Züchterseminar im Verein kann einen nicht 100 % auf alles vorbereiten. Auch wer ohne Verein einen Wurf plant kann sich eine Tierhebamme, einen erfahrenen Züchter oder Tierarzt zur Unterstützung dazu holen.

Richtig ist: Der Mythos, dass eine Hündin einmal im Leben werfen soll, um das Krebsrisiko zu Yorkshire Terrier Blog Welpentagebuch 3. Wochevermindern ist genau das, ein Mythos! Mit anderen Worten, es ist ein Ammenmärchen. Es ist nicht geklärt, woher dieses Gerücht kommt und noch weniger verständlich wieso es sich so hartnäckig hält. Es gibt keinerlei Studien, die dies bestätigen. Aus persönlicher Erfahrung kann ich nur sagen, dass unsere Hündin seit ihrem Wurf nicht mehr scheinschwanger wird. Allerdings kann niemand versprechen, dass das bei jeder Hündin so ist.

Richtig ist: Eine Hündin ist sicher nicht weniger glücklich, nur weil sie nie Mutter werden durfte! Sowohl die Trächtigkeit als auch die Geburt und Aufzucht der Welpen bedeutet für eine Hündin hauptsächlich Anstrengung und Stress. Dass sie sich so aufopferungsvoll um ihre Welpen kümmert ist nichts anderes als Instinkt. Jeder Züchter wird bestätigen können, dass man der Mutterhündin irgendwann anmerkt, dass sie von den Welpen genervt ist. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der Wurf aus 1, 5 oder 10 Welpen besteht. Man sollte sich eingestehen, dass der Wunsch nach Welpen eher dem eigenen Verlangen entspringt als dem der Hündin.

Versteht mich nicht falsch, das Warten während der Trächtigkeit, die Geburt der kleinen Würmchen und das Beobachten der ersten Wochen eines Welpen ist eine aufregende und wunderschöne Zeit. Allerdings auch nur dann, wenn alles gut geht, sowohl die Hündin als auch die Welpen fit und gesund sind und sich optimal entwickeln.

Viele von Euch haben das Welpentagebuch rund um unseren Yorkie Welpen Brady und unsere großen und kleinen Abenteuer, die Sorgen aber auch die unglaubliche Freude verfolgt und mit uns geteilt.

RIP Angel - Fruehgeburt Yorkshire TerrierLeider kennen wir aber auch die Kehrseite der Medaille. Trotz ausführlicher Vorbereitung und Unterstützung hatte Amy im letzten Jahr eine Frühgeburt. Amy war und ist, Gott sei Dank, gesund und hat alles sehr gut überstanden. Leider sind aber die beiden Welpen innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Geburt verstorben. Eine wirklich traurige Geschichte, die ich irgendwann mit Euch teilen werde. Noch aber geht es mir zu nah, um darüber reden zu können.

„Wer züchten will, muß auch gehen lassen können“, sagte unsere Züchterin einmal zu uns. Und sie hat Recht. Auch, wenn man das nicht hören oder gar vorab darüber nachdenken will. Macht Euch dies klar, bevor Ihr darüber nachdenkt, nur einmal im Hundeleben Welpen haben zu wollen.

7 Kommentare
  1. Gaby Dapprich
    Gaby Dapprich says:

    Hallo interesanter Bericht. Wir haben von Anfang an gesagt das wir Biene nicht decken lassen werden. Wie du schon erwähnt hast man muß auch gehen lassen können. Wir hätten keins der Welpen her geben können. Dann kommt noch die große Angst dazu was ist wenn der Mama was passiert oder auch mit denn Welpen . Das hätten wir uns nie verzeihen können. Wir haben Biene nach der zweiten Läufigkeit kastrieren lassen. So ist für uns das Thema sowieso durch😉

    Antworten
  2. hundhoch3
    hundhoch3 says:

    Huhu,
    Eine interessante Meinung zu diesem Thema. Ich finde darüber sollten mehr Blogs schreiben 🙂
    In vielen Sachen die Du schreibst, gehe ich mit Dir absolut konform. Beispielsweise dass es einer Hündin absolut nichts außer Stress, Schmerzen und Anstrengungen bringt, werfen zu müssen.
    Einige kann ich allerdings absolut nicht nachvollziehen. Warum sind für Dich Vermehrer nur Leute, die ihre Hunde „lieblos“ aufziehen? Hierzu mal ein kleiner Denkanstoß.
    Lana und Maila stammen aus einer Vermehrung (Mutterhündin bei jeder Läufigkeit gedeckt, in keinem Zuchtverein, unhygienische Zustände und mangelndes Wissen, was so ein Welpe braucht). Die beiden waren von Beginn an schwerkrank (Erkrankheiten wie HD, Allergien), die sie durch die Mutterhündin geerbt haben. Von Außen sind diese Krankheiten nur schwer für einen Laien erkennbar. Inwiefern hätte also eine liebevolle Aufzucht ihre gesundheitliche Situation besser gemacht? Für mich gilt hier genau deswegen Vermehrung zweifellos für alles, was nicht innerhalb eines (seriösen!) Zuchtverbandes stattfindet. Denn Züchter haben die Pflicht, ihre Hunde auf rassespezifische Krankheiten untersuchen zu lassen. Wäre die Hündin untersucht worden, hätten Lana und Maila jetzt kein so trauriges Leben. Man hätte erkannt, dass sie prädistiniert dafür sind, Krankheiten zu entwickeln.
    Wer einmal erlebt hat, dass sein Hund selbst bei arttypischen Dingen Schmerzen hat (sei es das Fressen oder auch nur das spielen im Gras), wird sicher verstehen was ich meine.
    Ich hoffe, du verstehst was ich damit sagen will und nimmst es mir nicht allzu krumm, dass unsere Meinungen da etwas auseinander gehen.

    LG Lisa von Hundhoch3

    Antworten
    • Kellie Jaxson
      Kellie Jaxson says:

      Hallo Lisa!

      Zunächst freut es mich, dass auch dir dieses Thema wichtig ist.

      Ich kann deinen Einwand auf jeden Fall verstehen. Mit einer liebevollen Aufzucht geht für mich einher, dass diese ebenfalls verantwortungsvoll ist. Dazu gehört auch die Untersuchung der Elterntiere.

      Für mich bedeutet seriös aber keineswegs die Zugehörigkeit zu einem Zuchtverband. Dafür habe ich zuviele Mauscheleien innerhalb dieser Verbände erlebt, als dass man sich auf irgendein Siegel verlassen könnte. Nur weil VDH oder ähnliches draufsteht, ist das noch keine Garantie für eine seriöse Zucht oder gar, dass die Gesundheit im Vordergrund steht.

      Nur weil sich jemand entschieden hat ohne Papiere zu züchten, ist er in meinen Augen noch kein Vermehrer. Auch ohne Zugehörigkeit zu einem Verein kann man viel tun, um mögliche Erbkrankheiten von vorne herein auszuschließen.

      Natürlich teilt nicht jeder meine Meinung zu diesem Thema und das muß man auch nicht. Ich finde es eben falsch, jeden gleich zu verurteilen und anzuprangern, ohne, dass man die Umstände kennt, der sich für diesen Weg entschieden hat.

      Es tut mir sehr leid, dass Lana und Maila ihr Leben lang leiden müssen, nur weil jemand seiner Verantwortung nicht nachkommen wollte. Natürlich prägen dich diese Erfahrungen. Jedem Züchter, ob mit oder ohne Verein sollte klar sein, dass man nicht mit kranken Tieren züchtet. Doch leider schützt ein Verein auch vor Dummheit nicht.

      Genauso sollten Welpenkäufer sich vorher informieren und mit offenen Augen einen Welpen auswählen. Solange aber die „Geiz ist geil“ Mentalität in den Köpfen herrscht, werden noch unzählige Tiere leiden.

      Ich wünsche Euch Vieren nur das Beste und bewundere Dich, dass Du versuchst, Ihnen trotz der Einschränkungen ein schönes Hundeleben zu beschweren.

      LG Kellie

      Antworten
      • hundhoch3
        hundhoch3 says:

        Guten Morgen,
        Wenn du schreibst, unter liebevolle Aufzucht fällt für dich auch die Untersuchung der Elterntiere, frage ich mich persönlich wieder wo man da die Grenze ziehen soll.. was ist mit Leuten, die nur mal kurz zum Tierarzt laufen und denken dass das reicht, es aber gut meinen? Oder die, die zwar gesunde Elterntiere kreuzen, deren Rassen aber garnicht zusammenpassen?
        Und vor allem warum Leute, die diese Tests richtig machen lassen, dann nicht auch in einen Verein ihrer Wahl eintreten. Dann hätte der neue Besitzer sogar Papiere. Denn: Papiere sind nicht nur zum angucken da, sondern der Besitzer kann sich 1. darauf verlassen, dass sein Tier eine nachvollziehbare Abstammung hat, und 2. kann man mit Papieren ja sicher nachvollziehen, ob und welche Auffälligkeiten auch die Eltern hatten. Viele Krankheiten werden in Untersuchungen erst über Generationen festgestellt und es reicht hier nicht, nur die Eltern zu untersuchen. Dementsprechend kann man garnicht verantwortungsbewusst Mischlinge in die Welt setzen, weil man ja nur eine Generation nachvollziehen kann. Dementsprechend würde es für mich zB nur noch Hunde mit Papieren vom Züchter geben, die auch die Vorfahren untersucht haben und ganz genau wissen, was sie da tun.

        Dass es Vereine gibt, die nicht vertrauenswürdig sind, da kann ich Dir natürlich nur zustimmen. Es scheint genug Richter zu geben, die bestechlich sind.

        LG Lisa von Hundhoch3

        Antworten
        • Kellie Jaxson
          Kellie Jaxson says:

          Meiner Meinung nach muß diese Grenze jeder für sich selbst ziehen. Ich habe das getan, weil ich das Vertrauen in die Vereine nicht habe. Vielleicht wird sich dieses irgendwann ändern, wenn das Vereinswesen sich grundsätzlich gewandelt hat und auch das tut, wozu es gegründet wurde.

          Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Beitrag über den Wunsch, nur einmal Welpen zu haben hat sich rasend schnell verbreitet. Der erwartete Shitstorm ist, zum Glück, weitestgehend […]

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Kommentar verfassen