Für immer zusammen: Friedhof „Unser Hafen“ öffnet Pforten für die gemeinsame Bestattung von Mensch und Haustier

In meinem Beitrag über die Möglichkeiten der Tierbestattung hatte ich es ja bereits erwähnt: Seit kurzem gibt es zwei Standorte des Mensch-Tier-Friedhofs „Unser Hafen“ in Deutschland.

Zum ersten Mal können sich Haustierhalter zusammen mit ihren Lieblingen in einem gemeinsamen Grab bestatten lassen. Die Nachfrage war bereits in der Vergangenheit groß, jedoch hat es gedauert, bis die Gesetze in den ersten Bundesländern NRW und Rheinland-Pfalz geändert wurden und somit den Weg frei machten.

Neue Ideen werfen natürlich auch immer Fragen auf. Und so habe ich mich mit Frau Judith Könsgen von der Friedhofsverwaltung „Unser Hafen“ zusammengesetzt, um mehr über das Konzept zu erfahren und die wichtigsten Antworten direkt aus erster Hand zu bekommen.

Mensch-Tier-Bestattung Unser HafenWie sind Sie auf die Idee für den Mensch-Tier Friedhof „Unser Hafen“ gekommen? Bisher war es ja auch gesetzlich nicht erlaubt, Menschen und Tiere zusammen zu bestatten.

Auf die Idee gekommen sind wir in erster Linie durch die vermehrten Anfragen von Hinterbliebenen. Leider mußten wir diese in der Vergangenheit aufgrund der Gesetzeslage in Deutschland ablehnen. Da die Friedhofsgesellschaft mehrere Friedhöfe betreibt haben wir uns irgendwann mit der Familie zusammengesetzt und dieses Thema besprochen und uns überlegt, dass wir eine gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier möglich machen möchten.

Mit langer Vorbereitungszeit und ein paar rechtlichen Hürden, die wir nehmen mußten, hat es dann endlich geklappt.  Und wir konnten das Konzept umsetzen.

Unser-Hafen Braubach

„Unser Hafen“ in Braubach (Reinland-Pfalz)

Wie lange hat es gedauert, das Ganze in die richtigen Bahnen zu lenken?

Von der Idee bis zur Eröffnung hat es ungefähr 1,5 bis 2 Jahre für die Planung und Umsetzung gebraucht.

Das ist ja schon eine lange Zeit?

Dadurch das es ein ganz neues Projekt ist und wir vieles bedenken mußten, hat es seine Zeit gedauert.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es einige Bedenken von Seiten des Gesetzgebers und auch Kirchenverbänden gegeben hat? War viel Gegenwind zu spüren?

Es gab Kritik. Die Kritik richtete sich vor allem von kirchlicher Seite gegen die gemeinsame Trauerfeier von Mensch und Tier, die wir in dieser Form aber nicht anbieten. Wir haben extra einen separaten Abschiedsort geschaffen, wo die Abschiednahme vom Tier möglich ist.

Es gab natürlich auch ein paar rechtliche Hürden, die zu nehmen waren. Aber von Rechts- und Politikseite gab es gar nicht so großen Gegenwind, sondern eher eine Zustimmung. Auch die Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens, hat sich dem sehr positiv gegenüber gestellt.

Das klinkt wirklich sehr positiv. Hatten Sie mit mehr Kritik gerechnet?

Mustergrab Unser Hafen Mensch Tier Friedhof

Mustergrab „Unser Hafen“

Es ist so, dass es auch in anderen Gemeinden schon länger diskutiert wird, dass es aufgrund des gesellschaftlichen Wandels diesen Bedarf verstärkt gibt. Man hat gemerkt, dass das Interesse der Menschen daran wächst, die eigenen Tiere mit im eigenen Grab beisetzen wollen. Von daher ist stoßen wir eher auf Zustimmung als auf Ablehnung.

Vor allem, weil wir die bestehenden Friedhöfe als reine Human-Friedhöfe belassen haben und die Mensch-Tier Beisetzungen auf separaten Friedhöfen anbieten.

Ist diese Form der Beisetzung gemeinsam mit dem Haustier derzeit nur in NRW möglich oder auch in anderen Bundesländern?

Wir haben einen Standort in NRW, in Essen, und einen in Rheinland-Pfalz, in Braubach bei Koblenz.

Sind denn weitere Standorte angedacht oder bereits in Planung? Sicherlich sieht die Lage in Bayern anders aus als im Norden des Landes?

Genau. Das Bestattungsrecht ist Länderrecht. Wir sind bereits in Überlegungen und Gesprächen mit anderen Friedhöfen in anderen Bundesländern, um dann auch weitere Standorte nach unserem Konzept „Unser Hafen“ anzubieten.

Das wäre wünschenswert. Wieviele Menschen haben bereits Interesse angemeldet?

Das Interesse ist sehr groß. Wenn man sich die Sozialen Medien anschaut, da hat unsere Facebook Seite sehr großen Zuspruch und auch hier in der Friedhofsverwaltung melden sich fast täglich Leute, die Informationen haben möchten und darüber nachdenken, ein Mensch-Tier Grab zu kaufen.

Sind bereits welche verkauft?

Ja.

Sind es denn eher junge Menschen oder eher ältere, die sich bei Ihnen über die gemeinsame Bestattung mit ihrem Haustier informieren?

Judith_Könsgen

Judith Könsgen, Friedhofsverwaltung „Unser Hafen“

Sowohl als auch. Es sind vor allem, ich sag mal, Menschen im mittleren Alter, so zwischen 40 und 50. Es gibt aber auch viele ältere Menschen, die angefragt haben, und auch ein paar ganz junge. Diese sind Mitte 20, haben aber Tiere und möchten sich einfach mal informieren, wie das Ganze funktioniert, weil sie den Gedanken sehr schön finden.

Es ist ja auch wichtig informiert zu sein, falls einem mal was passiert.

Genau.

Wie kann man sich den Ablauf vorstellen, denn es versterben ja nicht Mensch und Tier gleichzeitig? Wie ist der Ablauf, wenn das Haustier zuerst verstirbt?

Also, wenn das Tier zuerst verstirbt, gibt es zwei Optionen. Das Haustier muss kremiert werden, in einem Tierkrematorium. Und dann gibt es entweder die Option, dass man das Tier direkt beisetzt oder dass man die Urne mit nach Hause nimmt und dann zu einem späteren Zeitpunkt mehrere Tiere gemeinsam beisetzt oder man entscheidet sich dafür, solange zu warten, bis zum Beispiel in einer Ehe der erste Partner verstirbt. Dann kann dieser zusammen mit dem Tier oder den Tieren bestattet werden. Der verbliebene Partner hat so natürlich einen Anlaufpunkt für seine Liebsten.

Und wenn der Mensch zuerst verstirbt?

Wenn der Mensch zuerst verstirbt ist ein ganz großes Thema die Vorsorge. Der Mensch muß sich bereits zu Lebzeiten darum kümmern, was mit dem Tier passiert, wenn er oder sie stirbt. Auch wenn man sich nicht für den Mensch Tier Friedhof entscheidet, muß man sich darum kümmern. Das Tier muß schließlich versorgt sein. Und dass man denjenigen, die sich dann weiterhin um das Haustier kümmern, alle Informationen an die Hand gibt. Diese sollten darüber informiert sein, dass man ein Grab gekauft hat und dass man vielleicht auch schon für die Kremierung vorgesorgt hat. Das ist heutzutage alles möglich. Im Falle des Falles muss das Tier dann nur noch durch einen Tierbestatter abgeholt werden und es kann dann in „Unser Hafen“ beigesetzt werden.

Mustergraeber Unser Hafen

Mustergräber „Unser Hafen“

Die Beisetzung wäre also auch geregelt, wenn die Angehörigen sich nicht um das Tier kümmern können oder wollen und es in einem Tierheim untergebracht werden muss und womöglich weitervermittelt wird?

In diesem Fall sollten die Angehörigen mit dem Tierheim Mitarbeitern sprechen. Wenn aber vor allem die finanziellen Aspekte bereits im Vorfeld geregelt sind, spricht für den neuen Besitzer oder das Tierheim nichts dagegen, diesem Wunsch zu entsprechen.

Da gibt es doch sicherlich Unterlagen, die zusammen mit dem Haustier weitergegeben werden können, wo dann alles genau festgehalten ist?

Ja, genau. Es gibt da von uns eine Informationsmappe mit den Urkunden über den Grabkauf und wo eine Grabstelle vorhanden ist. Dem kann man dann auch den Vorsorgevertrag für die Kremierung oder ähnliches beifügen. So wissen Angehörige oder neue Besitzer, dass alles vorhanden ist und den Wünschen entsprechen.

Über das Konzept „Unser Hafen“ wird natürlich im Netz bereits diskutiert. Was ich gelesen habe, gibt es pro und contra Seiten. Eine Befürchtung ist, dass nun vermehrt Tiere eingeschläfert werden, obwohl sie nicht krank sind. Ist Ihnen diese Frage schon gestellt worden?

Diese Frage wurde uns bereits gestellt. Einige wollten wissen, ob sie ihr Tier einschläfern lassen müssen, wenn sie sterben. Es ist grundsätzlich so, dass Tierärzte kein gesundes Tier einschläfern dürfen. Wenn ich mein Tier gern habe, sorge ich auch dafür, dass es nach meinem eigenen Ableben weiterhin gut versorgt ist. Egal, ob ich bei „Unser Hafen“ ein Grab gekauft habe, oder nicht. In dem Fall habe ich auch für die Bestattung meines Tieres vorgesorgt und nicht, dass es „entsorgt“ wird, sondern bestattet werden kann.

Wenn ich allerdings finanziell nicht vorgesorgt habe oder es nicht konnte, sind die Erben verpflichtet, das Tier in meinem Geimeinschaftsgrab zu bestatten? Jede Öffnung des Grabes und somit Bestattung kostet ja eine zusätzliche Gebühr.

Das Grab hat man in der Regel vorher schon erworben, um dort beigesetzt zu werden. Es gibt gewisse Möglichen, den Erben diese Pflicht aufzuerlegen. Dafür geben wir den Kunden einen rechtlichen Hinweis mit, welche Möglichkeiten es gibt, um über Umwege an das Tier zu vererben. Rechtlich ist es nicht möglich, direkt an das Tier zu vererben, aber man kann eine Bedingung an ein Erbe knüpfen. Und damit sind die Erben dann verpflichtet, dem Wunsch zu entsprechen. Und aus diesem Erbe heraus, welches ja meist auch finanzieller Natur ist, kann dann die Beisetzung bezahlt werden.

Logo Unser Hafen

Mensch-Tier-Bestattungen „Unser Hafen“

Hierüber muß man sich als Tierhalter tatsächlich auch mal Gedanken machen. Ich merke schon, dass Sie sich wirklich sehr um Ihre Kunden kümmern und sie ausgiebig beraten, auch in rechtlichen Dingen.

Ja, und genau das waren auch die Punkte, warum die Vorbereitungszeit so lange gedauert hat. Hierüber haben wir uns viele Gedanken gemacht. Wir wollten auf keinen Fall die Menschen im Regen stehen lassen indem sie nur das Grab kaufen und sich um alles andere alleine kümmern müssen. Sondern, dass wir auch Tipps geben können und eine Rundum-Betreuung bieten können.

Ich möchte mich noch mal ganz herzlich bei Frau Judith Könsgen von der Friedhofsverwaltung „Unser Hafen“ für das Interview und die ausführlichen Informationen zur Gemeinschaftsbestattung von Mensch und Tier bedanken.

Sollte Euer Interesse nun geweckt sein und Ihr möchtet Euch eingehender über diese Möglichkeit informieren, so könnt Ihr dies auf der Webseite „Unser Hafen“ tun oder Einzelheiten telefonisch oder persönlich mit Frau Könsgen besprechen. Die Kontaktdaten findet Ihr unten auf der angegebenen Seite.

Mein Lebensgefährte und ich sind sehr angetan von der Möglichkeit, einmal gemeinsam mit unseren geliebten Vierbeinern bestattet zu werden.

Wir haben uns bereits seit langem entschieden, dass sowohl wir als auch unsere Yorkies eingeäschert werden, wenn es soweit ist.

Es wäre schön, wenn bald weitere Standorte, auch in unserer Nähe, angeboten werden. Wir können uns sehr gut vorstellen, uns für diese Form der Bestattung zu entscheiden.

Wie sieht das bei Euch aus? Könnt auch Ihr euch vorstellen, gemeinsam mit Eurem Haustier bestattet zu werden? Oder habt Ihr euch bereits für eine andere Möglichkeit entschieden? Habt Ihr schon Vorkehrungen getroffen?

Quellen für Fotos: Unser Hafen

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