Das BARF-Buch von Nadine Wolf

Interview mit Nadine Wolf – Autorin von „Das BARF-Buch“

„Das BARF-Buch“ der bekannten BARF-Bloggerin Nadine Wolf (www.mashanga-burhani.blogspot.de) habe ich Euch ja bereits vorgestellt. Zeit also, die Autorin zu Wort kommen zu lassen.

Was genau bedeutet Mashanga Burhani eigentlich, welche Barf-Mythen ins Reich der Märchen gehören, welche Tipps es für das Barfen von kleinen Hunden gibt und wie sie eigentlich auf die Idee für ihr Buch kam, all das erklärt uns Nadine Wolf in diesem tollen Interview, welches ich mit ihr führen durfte…

Wie bist du selber zum Barfen gekommen?
Mein mittlerweile verstorbener Hund Neo war jahrelang sehr krank gewesen. Er hatte unter Verdauungs- und Das Barf-Buch CoverFellproblemen gelitten. Es schien keine Lösung für das Problem zu geben, jedenfalls fanden insgesamt 17 Tierärzte keine. Meistens wurde also symptomatisch behandelt und ich habe jede Futtersorte ausprobiert, die es damals gab. Von BARF hatte ich noch nie gehört. Irgendwann stieß ich bei einer Internet-Recherche auf Swanie Simons Website www.barfers.de und wollte einen Versuch wagen. Kurz nach der Umstellung auf BARF waren die Symptome, die den Verdauungstrakt betrafen, einfach weg. Für mich grenzte das an ein Wunder nach all den Jahren. Bis das Fell wieder in Ordnung war, vergingen noch ein paar Wochen. Aber Neo wurde wieder gesund und vertrug mit BARF letztendlich sämtliche Nahrungsmittel. Jede Art von Fleisch, Obst, Gemüse, Getreide und auch Zusätzen. Nur Fertigfutter eben nicht. Seitdem bin ich von BARF überzeugt und habe auch nie wieder zurück geschaut.

Bereits 2009 hast du den wohl erfolgreichsten deutschsprachigen BARF-Blog „Mashanga Burhani“ ins Leben gerufen. Wofür steht dieser Name und, was glaubst du, macht deinen Blog so erfolgreich?
Das Rätsel um den unaussprechlichen Namen ist schnell gelüftet: Es handelt sich um den offiziellen Namen meines Ridgebacks, dessen Rufname Bayo lautet. Als ich den Blog startete, wollte ich eigentlich nur ein bisschen über sein Leben schreiben, wie man an den ersten Artikeln auch sehen kann. Ich hatte kein besonderes Ziel. Gleichzeitig war ich aber auch sehr aktiv im GesundeHunde-Forum und irgendwann dachte ich mir, ich könnte doch Beiträge über die üblichen Fragen schreiben, die Anfänger so stellen bzw. Themen ansprechen, die sie bewegen und das möglichst sachlich und faktenbasiert. Dann müsste ich nicht mehr so viel tippen, sondern könnte als Antwort auf eine Frage einfach meinen Blog verlinken.
Als ich selbst noch ein blutiger Anfänger war, haben mir andere Hundehalter bereitwillig meine Fragen beantwortet und mir dabei geholfen, meinem Neo und auch mir ein besseres Leben zu ermöglichen. Dafür war ich unendlich dankbar. Ich werde das nie vergessen und ich wollte der Community etwas zurückgeben. Und vermutlich ist es genau das, was die Leser am Blog mögen: er soll einfach nur Hundehaltern helfen, er gibt Sicherheit durch einen sachlichen Umgang mit dem Thema, nimmt die Angst vor BARF und der Futterplan-Rechner, den ich seit langem gratis zum Download anbiete, hat zehntausenden von Hundehaltern etwas Arbeit bei der Erstellung des Futterplans abgenommen. Ich habe im Laufe der Jahre sehr viel Feedback von Tierhaltern bekommen, die sich bedankten, weil sie aufgrund des Blogs den Schritt zu BARF gewagt hatten und dadurch ihren Tieren helfen konnten. Diese Geschichten rühren mich immer zu Tränen und ich bin glücklich darüber.

Inzwischen ist BARF in aller Munde und viele Hundehalter schwören auf die artgerechte Rohfütterung. Jedoch gibt es auch genauso viele, die dem Barfen kritisch gegenüberstehen. Was würdest du diesen Menschen sagen? Welcher Barf-Mythos stört dich am meisten?
Kritiker sollen sich einfach die Fakten ansehen oder gesunden Menschenverstand walten lassen. Bevor es Das Barf-Buch Cover RückseiteFertigfutter gab (und in der ehemaligen DDR war das bis in die 80er Jahre der Fall und ist es heute noch in vielen Ländern), wurden unsere Hunde (und Katzen) auch einfach von den Tierhaltern gefüttert und es gibt keinen Beweis dafür, dass Fertigfutter die Gesundheit der Tiere positiv beeinflusst oder die Lebenserwartung erhöht, ganz im Gegenteil. Der Vorteil von BARF gegenüber „Hausmannskost“ ist nur, dass der Halter ein Konzept an die Hand bekommt, um das Tier wirklich mit allem zu versorgen, was es braucht. Und wenn man sich die Fakten ansieht, stellt man auch schnell fest, dass die Vorteile von BARF klar auf der Hand liegen und es weder für Mensch, noch für das Tier gefährlich ist, sofern man grundlegende Regeln der Zusammenstellung der Ration und der Hygiene im Umgang mit rohem Fleisch beachtet.
Ja, die Mythen… Eigentlich stören mich alle, denn sie entbehren alle jeglicher faktischen Grundlage – von der angeblichen Ansteckungsgefahr für Menschen mit Salmonellen bis hin zur Behauptung, BARF sei zu teuer. Das ist alles an den Haaren herbeigezogen, falsch analysiert oder überdramatisiert. Am meisten jedoch stört mich das Vorurteil, BARF sei nicht bedarfsdeckend. Es ist einfach so haarsträubend unlogisch, dass die Orientierung an der natürlichen Ernährung eines Lebewesens, die über Jahrtausende hinweg funktioniert hat, nicht bedarfsdeckend sein soll (und das nur bei zwei Spezies, nämlich Hund und Katze – für Pferde und Kaninchen ist artgerechtes Futter OK..). Die Natur ist hart und nur das Tier, was sich gut anpasst, wird auch überleben. Wäre BARF nicht bedarfsdeckend, wären Hunde (und Katzen) längst ausgestorben. Sie sind also perfekt an so eine Nahrung angepasst. Dass es dann immer wieder cargo-kult-wissenschaftliche Versuche gibt, das Gegenteil beweisen zu wollen, ist einfach traurig und zeigt mir ganz deutlich, worum es in diesem Geschäft eigentlich geht, nämlich um Geld. Und das ist mehr als traurig, denn hier sollte es um das Wohl unserer geliebten Vierbeiner gehen.

Gerade Halter von sehr kleinen Hunden, wie wir es sind, scheuen sich vor dem Barfen. Oftmals müßte man riesige Fleischmengen abnehmen, die so kleine Hunde wie Yorkies und Chihuahuas in einem Jahr nicht vertilgen würden. Auch das Zusammenstellen der geringen Mengen stellt uns vor Probleme. Hättest du Tipps für uns?
Die Lösung hierfür ist gar nicht so schwer: Man erstellt eine Komplettmischung, die für längere Zeit reicht und
Das Barf-Buch Inhaltsverzeichnis 1friert diese vorportioniert ein. Das bedeutet, man würde die BARF-Regeln hinsichtlich der Zusammensetzung der Mischung inkl. aller Zusätze etc. auf 5 kg Komplettfutter anwenden, das in einem großen Eimer vermischen und dann – je nach benötigter Futtermenge – entsprechende Tagesportionen abfüllen. Von dieser Mischung kann man z. B. zwei Sorten anfertigen mit unterschiedlichen Komponenten, sodass Abwechslung entsteht. Hin und wieder kann man dem Hund dann auch mal ein ganzes Beutetier (z. B. einen kleinen Fisch oder eine Wachtel) geben. Auf diese Weise hat man zwar mit der Zubereitung erst einmal etwas Arbeit, aber das tägliche Füttern geht dafür schneller, weil man nur eine Portion auftauen und dem Hundchen servieren muss.

Was hälst du von Fertigbarf-Menüs? Stellen diese für gesunde Hunde eine echte Alternative dar? Worauf sollte man hier am meisten achten?
Das hängt sehr stark von der Zusammensetzung ab, wobei mir da ein kompletter Marktüberblick fehlt. Die Sorten, die ich mir bisher angesehen habe, gefielen mir nicht so, meist waren die BARF-Konzeptregeln nicht berücksichtigt. Es fehlten wichtige Innereien wie z. B. Leber oder Niere in der Ration, stattdessen wurde sehr viel Lunge eingesetzt oder der Knochenanteil war entweder viel zu hoch oder viel zu gering oder es waren zur dauerhaften Fütterung ungeeignete Ersatzsupplemente wie Calciumcarbonat / Eierschale enthalten. Der Fettanteil war häufig zu niedrig und das Fleisch so fein gewolft, dass es schon breiartig ist. Auch die eingesetzten Öle waren fast immer eher kontraproduktiv und es fehlten wichtige Zusätze wie etwa Seealgen. Es fehlte mir auch immer eine offene Deklaration – ich will ganz genau wissen, was enthalten ist.
Das heißt aber nicht, dass es keine Anbieter gibt, die gute Zusammenstellungen anbieten, ich habe mich damit lediglich nicht so intensiv befasst. Im Prinzip ist nichts gegen Fertigbarf einzuwenden, wenn die Aufteilung, Das Barf-Buch Inhaltsverzeichnis 2Qualität und das Vorhandensein der wichtigen Komponenten den BARF-Regeln entspricht.

Als zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen bietest du auch eine Futterplan-Beratung an. Was kann man sich darunter vorstellen und für wen ist diese geeignet?
Bei einer Futterplanberatung wird entweder ein Ernährungsplan für einen Vierbeiner entwickelt, ein bestehender angepasst oder aber der Nährstoffgehalt überprüft – je nach Kundenwunsch. Häufig sind es Halter von Tieren mit bestimmten Erkrankungen, die bei der Ernährung berücksichtigt werden müssen (z. B. Niereninsuffizienz) oder Besitzer von Hunden und Katzen im Wachstum, die so eine Beratung wünschen. Es gibt aber auch Tierhalter, die gesunde, erwachsene Tiere haben, sich jedoch die Futterplanerstellung selbst nicht zutrauen.
Im Prinzip eignet sich eine Futterplan-Beratung für alle, die sich entweder grundsätzlich unsicher sind oder aber nicht über die ernährungsphysiologischen Kenntnisse verfügen, um einen Plan für ein krankes Tier zu erstellen. Das trifft übrigens nicht nur auf Hunde- und Katzenhalter selbst zu, sondern auch auf Tierheilpraktiker und Tierärzte, die häufig keinen Fokus auf den speziellen Punkt Ernährung haben und daher die Besitzer entweder direkt zu einer BARF-Beratung schicken oder einen Berater hinzuziehen. Eine positive Entwicklung, wie ich finde.
Das BARF-Buch von Nadine Wolf

Vor kurzem hast du „Das BARF-Buch“ veröffentlicht. Vor allem für Einsteiger bietest du hier Tipps & Tricks rund um die Rohfütterung und räumst auch mit vielen Vorurteilen auf. Wie kam es zu der Idee?
Das Buch ist eigentlich nur die „logische Konsequenz“ und Weiterführung des Blogs. Ich bekam in den letzten Jahren vermehrt E-Mails oder Blog-Kommentare, in denen ich von Lesern in der Idee bestärkt wurde. Oft las ich: „Wann schreibst Du endlich ein Buch? Ich hätte gern was zum Lese
n in der Hand.“, auch Verlage hatten mich kontaktiert. Irgendwann dachte ich, wieso eigentlich nicht? Und dann setzte ich mich an das Konzept und schrieb im Anschluss einfach los. Auch hier war mir wieder wichtig, dass gerade Anfänger Sicherheit gewinnen sollten, um ihren Hund artgerecht zu ernähren. Auch wollte ich mit einem faktenbasierten Umgang mit Vorurteilen oder tatsächlichen Risiken Ängste nehmen. Obendrein sollte das Buch aber auch langjährigen Barfern ein paar Informationen geben, die sie vielleicht noch nicht kennen. Daher ist das Buch nicht nur einfach eine gedruckte Version des Blogs, sondern bietet zusätzliche Inhalte. Wichtig war mir vor allem auch, auf die typischen Fehler in der Rationsgestaltung hinzuweisen und den Hundehaltern eine genaue und praxisnahe Anleitung zur Erstellung eines Futterplans zu geben. Häufig sind Neubarfer überfordert mit der Auswahl der Zusätze, viele suchen nach Möglichkeiten, Knochen in der Ration zu ersetzen, finden aber keine passende Lösung dafür und fragen sich auch, wie viel Fett sie nun zufüttern sollen. Es treten noch eine ganze Reihe anderer Fragen auf, die ich im Laufe der Jahre gesammelt, zusammengefasst und im Buch beantwortet habe. Und ein paar Rezeptbeispiele gibt es auch, damit man anfangs eine Orientierung hat. Mein Ziel war es also auch hier, Sicherheit zu vermitteln und einen unkomplizierten Weg zur Fütterung aufzuzeigen, für den man kein vertieftes Hintergrundwissen benötigt. Für glückliche Besitzer und gesunde Hunde! 

Vielen Dank an Nadine, dass Du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten.

Solltet Ihr darüber nachdenken, Eure Fellnase auch artgerecht zu ernähren oder sucht ein tolles Geschenk für einen lieben Hundemenschen, dann solltet Ihr „Das BARF-Buch“ hier bei Amazon bestellen.

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  1. […] Nadine Wolf, hat uns in einem tollen Interview Rede und Antwort gestanden. Dieses könnt Ihr hier auf dem Blog lesen […]

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