Beim Yorkshire Terrier kommt es nicht selten vor, dass nur ein Welpe pro Wurf geboren wird. Unser kleiner Brady war ja auch ein Einzelwelpe.

Natürlich haben wir uns gewünscht, dass er Geschwisterchen hat, denn die Vorurteile gegenüber Einzelwelpen wiegen schwer. So wird manchmal behauptet, dass Welpen, die alleine aufgewachsen sind, sich anderen Hunden gegenüber aggressiver verhalten, mehr Aufmerksamkeit bräuchten, ständig in der Nähe von Menschen sein wollen und sich schlechter in Rudel integrieren können.

Unser Yorkie Welpe Brady ist nun 8 Monate alt. Inzwischen ist er gereift und hat seine eigene Persönlichkeit entwickelt. Zeit also, ein Resumé zu ziehen und zu schauen, ob diese Vorurteile wirklich greifen.

Natürlich stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit seiner neuen Familie. Zum einen möchten wir wissen, wie es Welpen lieben Papierihm so geht und welche Fortschritte er macht. Zum anderen stehen wir mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie Fragen zur Erziehung oder auch Gesundheit des Kleinen haben.

Wir sind sehr stolz über das, was sie uns berichten. Klar, frech ist er, wie wohl jeder Welpe. Stellt auch schon mal den ein oder anderen Blödsinn an. So hat er vor Kurzem aus Langeweile ein Stück Tapete von der Wand gerissen. Völlig normal, wenn Ihr mich fragt. Oder kennt Ihr einen Welpen, der nicht irgendwas angestellt hat?

Blanket hat auch bei uns mal die Tapete malträtiert. Kimi hat damals die Ecken mehrerer Bücher angeknabbert. Amy fand es total witzig, sich das unterste Blatt Toilettenpapier zu schnappen und die komplette Rolle durch die Wohnung abzurollen. Klar, man schimpft mal kurz, aber eigentlich ist man eher amüsiert. Papier hat nunmal eine unglaubliche Anziehungskraft auf Welpen und Junghunde.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass Hündinnen ihrem einzigen Welpen alles erlauben oder ihn nur selten disziplinieren solange er klein ist. Amy ist unsere Rudelchefin. Sie ist sehr liebevoll mit Brady umgegangen, hat ihm aber deutlich Grenzen aufgezeigt. Genauso wie unsere beiden Rüden. Welpen lernen normalerweise hündische Verhaltensweisen und gutes Benehmen im Rudel durch das Spiel und Interaktionen mit ihren Wurfgeschwistern.

Erziehung eines Einzelwelpen im RudelAus unserer Erfahrung kann ich sagen, dass diese durch andere Mitglieder des Rudels übernommen werden, wenn keine Geschwister da sind. Sowohl die Mama Amy als auch Blanket und Kimi haben viel mit ihm gespielt und ihm dabei klar gemacht, wie weit er gehen darf.

Sogar die sogenannte Beißhemmung hat er deutlich eher erlernt als unsere anderen Fellnasen. Genauso wie viele andere Verhaltensweisen und auch Kommandos. Da liegt der Vorteil eines Einzelwelpen ganz klar auf der Hand. Sowohl die Hundemama als auch wir als Züchter haben uns sicher deutlich mehr mit ihm beschäftigt als es der Fall gewesen wäre, hätte er 2 oder 3 Geschwisterchen gehabt.

Mehrmals täglich haben wir schon früh mit ihm trainiert. Mit einem größeren Wurf fallen diese Trainingseinheiten sicherlich weniger oft und kürzer aus. Einzelwelpen werden ganz klar während der ersten acht Lebenswochen mehr beaufsichtigt und von Menschen sozialisiert als Welpen mit Wurfgeschwistern. Das sorgt auch dafür, dass alleine aufgewachsene Welpen oftmals ausge­sprochen menschenbezogen sind. Doch sind wir mal ehrlich, genau das ist es doch, was sich ein künftiger Welpenbesitzer wünscht.

Deswegen ist ein Einzelwelpe jedoch keineswegs schwierig im Umgang mit anderen Hunden, irgendwie Einzelwelpe mit großem Hundaggressiver oder schlechter in ein Rudel zu integrieren. Warum auch? Schließlich sind sie nur ohne Geschwister aufgewachsen, aber doch nicht ohne ein Rudel. Die meisten Züchter besitzen nicht nur einen Hund, sondern meist mehrere Zuchttiere, die normalerweise die Hündin bei der Aufzucht und Sozialisierung unterstützen.

Dieses Verhalten ist total natürlich und ist auch in Wolfsrudeln selbstverständlich. Warum sollte sich dieses Verhalten der erwachsenen Tiere im Rudel unterscheiden, nur weil der Wurf aus einem einzigen Welpen besteht?

Man hatte uns damals sogar geraten, Brady zu einer anderen Hundemama zu geben, damit er dort im größeren Wurf mit Geschwistern aufwachsen kann. Ich kann nicht verstehen, wie man überhaupt über sowas nachdenken kann. Ich kann doch nicht der frischgebackenen Mutterhündin den Welpen wegnehmen, nur weil jemand meint, dass dieser sich dann besser entwickelt. Für die Psyche der Mutter ist dies sicher nicht förderlich.

Brady kommt wahnsinnig gut mit anderen Hunden aus. Er hat inzwischen einige Hundekumpels und vierbeinige Freunde, die teilweise um einiges größer sind als er. Ganz besonders liebt er Linus, einen ausgewachsenen Bradys Kumpel LinesLabrador-Rüden, mit dem er sehr viel Zeit verbringt. Die beiden haben sich sofort ins Herz geschlossen und gehen gemeinsam durch dick und dünn.

Das wundert mich aber kein bißchen. Schon im Alter von 4 Wochen, also sobald er sich sicher auf seinen kleinen Beinchen bewegen konnte, haben wir dafür gesorgt, dass Brady möglichst viele verschiedene Hunde aller Couleur kennenlernt. Mehrmals täglich haben wir ihn mit in den Park genommen und ihn, natürlich unter Aufsicht, mit großen und kleinen, alten und jungen Hunden zusammenkommen lassen.

Er hat nie auch nur ansatzweise ängstlich oder aggressiv reagiert. Schon zu diesem Zeitpunkt war er ein Meister in hündischen Verhalten. Besonders schön fand ich seinen Umgang mit einem kleinen Chihuahua-Welpen, den wir so kennengelernt haben und mit dem wir uns oft zum Spielen getroffen haben. Teilweise hatte ich sogar den Eindruck, dass Brady um einiges besser sozialisiert und sogar erwachsener reagierte als dieser.

Wer diese Möglichkeit nicht hat, dem empfehle ich, sich in der Umgebung andere Welpen im selben Alter zu suchen, mit denen man sich öfters trifft. Es gibt sogar Welpenspielgruppen, an denen Welpen ab der vierten Lebenswoche teilnehmen können. Hier können alle Welpen viel voneinander lernen. Allerdings sollte man immer aufmerksam und vorsichtig sein, wenn Welpen unterschiedlich großer Rassen zusammenkommen. Das gilt auch für die beliebten Welpenkurse.

Welpen spielen oftmals sehr heftig und unkontrolliert. Sie wissen nicht, wie schwer oder kräftig sie sind. Welpen Welpenspielstundegroßer Rassen können gerade Welpen kleiner Rassen beim Spiel unbewußt verletzen. Schöner ist es, wenn es eine Gruppe gibt, in der kleinere Welpen untereinander bleiben können.

Ich spreche da aus Erfahrung. Mit meinem ersten Yorkie Kimi war ich auch in der Hundeschule in einem Welpenkurs. Während er im Park oder Wald mit jedem Hund gespielt hat, wollte er hier mit den anderen Welpen nichts zu tun haben. Ist aber auch verständlich. Er war mit Abstand der Kleinste.

Insgesamt waren ca. 15 Welpen in der Gruppe, darunter einige Windhunde, Retriever und auch Doggen. Von Anfang an haben diese ihn nur durch die Gegend getrieben oder sind über ihn drüber gerannt. Dass er so keine Lust hatte, mit den anderen zu spielen, kann man nachvollziehen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass es keineswegs ein Nachteil ist, sich für einen Einzelwelpen zu entscheiden. Ganz im Gegenteil.

Ihr habt eine andere Meinung oder Erfahrung gemacht? Gerne möchte ich diese hören.

Gefällt Dir diese Story? Dann teile Sie mit Deinen Freunden ...
2 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Kommentar verfassen