Behandlung missglückt: Wenn der Tierarzt Fehler macht

Ich muss gestehen, ich habe ein gewisses Grundvertrauen anderen gegenüber und nun ist es leider passiert, dass unser Tierarzt Fehler gemacht hat. Oder besser gesagt: Einen Behandlungsfehler beim Impfen unserer Welpen! Er hat doch tatsächlich einen Impfstoff benutzt, der bereits abgelaufen war!

Ich konnte das erst nicht glauben als ich den Anruf vom Tierarzt bekam und er mir die schlechte Nachricht über den Fehler überbrachte. Schließlich ist das Impfen eines Hundes beim Tierarzt eine Routinebehandlung. Sollte man zumindest meinen…

Grundimmunisierung eines Welpen: Die wichtigsten Impfungen überhaupt

Wie Ihr wisst tun wir alles, damit unsere Welpen den besten Start ins Leben bekommen. Und dazu gehört auch die Grundimmunisierung, also die ersten Impfungen im Leben eines Hundewelpen. Das hat bisher bei unserem Tierarzt auch immer ganz normal funktioniert.

Yorkie Welpe Tollwut Impfung

Da helfen auch die Überredungsversuche nicht

Empfohlen wird eine 3-fache Grundimmunisierung der kleinen Welpen im Alter von 8, 12 und 16 Wochen um sicherzustellen, dass die von der Hündin mit der Muttermilch aufgenommenen Antikörper, die Entwicklung des eigenen Impfschutzes nicht stören, und einen ununterbrochenen Schutz der Welpen vor diesen Hundekrankheiten sicherzustellen. Ab der 12. Lebenswoche ist dann eine zweimalige Impfung im Abstand von drei bis vier Wochen ausreichend.

Die erste Impfung beim Welpen gegen Staupe, HCC (Hepatitis), Parvovirose und Leptospirose erfolgt somit ab der 8. Lebenswoche, ab der 12. Woche auch die gegen Tollwut.

Sind unsere Welpen nun geimpft?

Nun bekam ich also genau 5 Wochen nach der ersten Impfung unserer Welpen einen Anruf aus unserer Tierarztpraxis. Ich habe mich natürlich sofort gewundert, da sie nicht direkt mit der Tür ins Haus viel, sondern damit begann, dass wir ja unsere beiden Welpen haben impfen lassen und diese ja wahrscheinlich schon ausgezogen seien. Ähm, ja klar!

Und dann bekam ich die Hiobsbotschaft: Es sei aufgefallen, dass bei einigen Hunden in den letzten Wochen ein Impfstoff benutzt worden sei, der bereits Mitte Januar abgelaufen war. Das täte ihnen sehr leid, aber man wüßte derzeit nicht, welche Hunde genau betroffen seien. Man solle sich aber keine Sorgen machen, der Impfstoff sei deshalb nicht unwirksam. Das war erstmal ein Schock!

Abgelaufener Impfstoff Hunde Welpen

Wir tun alles, damit unsere Welpen den besten Start ins Leben bekommen.

Natürlich macht man sich da Sorgen, was für eine Frage? Zumal man als Züchter auch einen gewissen Ruf hat und davon mal abgesehen, den neuen Familien seiner Welpen so eine Nachricht total gerne überbringt. Ist ja gar nicht peinlich!

Wir sind also so verblieben, dass ich mich bei den neuen Familien von Luna und Emma melde und schaue, welches Ablaufdatum die Impfungen im Impfpass haben. Dieses Datum ist ja in der Regel auf dem Aufkleber der jeweiligen Charge des Impfstoffes vermerkt. So habe ich beide informiert und darum gebeten, mir ein Foto der entsprechende Seite aus dem Impfpass zu schicken.

Abgelaufener Impfstoff – und was nun?

Und natürlich: Die erste Antwort von Lunas Frauchen kam promt und, wie konnte es anders sein, sie wurde tatsächlich mit einem Impfstoff geimpft, der bereits am 17.01.2019 abgelaufen war. Also ziemlich genau 4 Wochen vor der Impfung.

Abgelaufener Impfstoff - und was nun?

Abgelaufener Impfstoff – und was nun?

Aber es kam noch schlimmer: Am nächsten Morgen erhielt ich auch das Foto von Emmas Frauchen. Und diese Impf-Charge war bereits am 24.11.2018 abgelaufen! Also schon seit 3 Monaten! Ich war sprachlos! Wieso war das niemandem aufgefallen? Weder unserem Tierarzt, noch uns, den neuen Herrchen oder aber dem Tierarzt, der die zweite Impfung durchgeführt hatte, und zwar genau einen Tag vorher? Unfassbar.

Im ersten Moment weiß man gar nicht, was man jetzt machen soll. Sind die kleinen Fellnasen, und vor allem Emma, jetzt geschützt? Stimmt die Aussage vom Tierarzt, der den Fehler begangen hat, dass die Grundimmunisierung trotzdem wirksam ist? Tausend Fragen schwirren einem in einem solchen Moment durch den Kopf.

Abgelaufende Impfungen sind kein Einzelfall

Zum Glück sind Lunas und Emmas Familien sehr gelassen mit der Nachricht umgegangen. Ich habe versprochen mich um die peinliche Angelegenheit zu kümmern und sie natürlich sofort zu informieren. Was macht man also in der heutigen, digitalen Welt? Klar, man befragt Dr. Google, ob eben ein abgelaufender Impfstoff noch wirksam ist. Um ehrlich zu sein bin ich davon ausgegangen, nun tausende Suchergebnisse von Tierärzten, Verbänden & Co. zu erhalten, auf denen die Antwort auf diese Frage zu finden ist.

Pustekuchen! Nicht ein einziger Eintrag, der mir ein Ja oder Nein liefert! Stattdessen sah ich Fragen über Fragen von besorgten Hundehaltern zu genau diesem Thema. Und schon wieder war ich fassungslos, wie oft offensichtlich ein Tierarzt Fehler mit einem abgelaufenen Impfstoff macht. Alle Betroffenen stellten sich die gleichen Fragen und bekamen offensichtlich keine Antworten.

Abgelaufener Impfstoff kein Einzelfall

Unsere Hunde sind leider kein Einzelfall

Natürlich ist in so einem Moment um das Vertrauen zu einem Tierarzt nicht zum Besten bestellt. Also rief ich zunächst beim Hersteller des Impfstoffes an. Vielleicht konnte man mir dort ja helfen. Leider war das nicht der Fall. Auskünfte werden nur Tierärzten erteilt. Und das dann auch nur von den internen Fachtierärzten. Die Dame am Telefon war wirklich sehr nett, aber eben kein Tierarzt.

Da wir bei allen Fragen und Angelegenheiten (außer, wenn es ums reine Impfen bzw. Entwurmen, leider) rund um unsere ausgewachsenen Hunde auf die Fachtierärzte in einer Tierklinik vertrauen und mit diesen seit Jahren nur absolut positive Erfahrungen gemacht haben und diese wirklich sehr kompetent sind, habe ich mir dort eine zweite Meinung bezüglich dem Tierarzt Fehler eingeholt.

Impfschutz trotz abgelaufenem Imfpstoff?

Mir ist bei dem Telefonat ein Stein vom Herzen gefallen! Ich brauche mir wirklich keine Sorgen machen. Mit abgelaufenem Impfstoff für Hunde verhält es sich im Grunde wie mit Lebensmitteln. Auch hier sind diese nicht automatisch schlecht, nur weil das Mindeshaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Impfstoff wird gekühlt und verschlossen gelagert und erst direkt vor der Impfung des Hundes entnommen und geöffnet.

Normalerweise werden beim Nachfüllen des Impfstoffes im Kühlschrank die älteren Ampullen nach vorne geräumt und die neuen nach hinten. Außerdem überprüft die Person beim Tierarzt das Ablaufdatum, die die Ampulle entnimmt. Nun kennen wir das aber alle selbst, und da muss man auch wohl die Kirche im Dorf lassen, jeder von uns hat schon mal einen Fehler gemacht. So kann hier auch ein Tierarzt Fehler machen (oder eben die Tierarzthelferin). Im Berufsalltag oder durch eingeschlichene Routine – schließlich sind Imfpungen beim Tierarzt mit Sicherheit die am meisten durchgeführten Behandlungen.

Impfpass für Hunde

Impfschutz trotz abgelaufenem Imfpstoff?

Durch die Aussage der Fachtierärztin war ich dann doch beruhigt und bin erleichtert zu der Tierarztpraxis gefahren, die den abgelaufenden Impfstoff benutzt hat. Die Inhaberin hat sich auch sofort Zeit für mich genommen und entschuldigt. Sie war wirklich sehr betroffen und das hat man ihr auch angemerkt. Besonders als ich ihr dann noch offenbaren musste, dass der behandelnde Tierarzt Fehler gemacht hat, die noch weit schlimmer waren als angenommen, da Emma mit einem Impfstoff behandelt wurde, der ganze 3 Monate abgelaufen war. Auch sie starrte ungläubig auf das Foto aus Emmas Impfausweis.

Letztendlich will ich ihr ja auch nichts Böses. Es ist nur menschlich, dass auch einem Tierarzt Fehler passieren. Gott sei Dank war es nur eine abgelaufene Impfung und die beiden Welpen sind nicht wirklich zu Schaden gekommen. Ich konnte die gute Nachricht Lunas und Emmas Familien überbringen und mich gütlich mit der Tierarztpraxis einigen. So ein Fehler wird dem Team der Tierarztpraxis ganz sicher nie wieder passieren.

Was tun, wenn der Tierarzt Fehler ernste Konsequenzen hat?

Viel schlimmer wäre es gewesen, wenn ein komplett falsches Impfserum verabreicht worden wäre, welches schlimme Nebenwirkungen verursacht. Oder eine falsche Diagnose gestellt oder ein Behandlungsfehler während einer OP beim Hund passiert wäre, welcher zu bleibenden Schäden geführt hätte. Oder, noch schlimmer, wenn dadurch der Hund verstorben wäre. Denn auch von so einem Tierarzt Fehler habe ich bei meiner Recherche mehrfach gelesen.

Wie in der Humanmedizin kommt es natürlich immer mal wieder vor, dass der Tierarzt Fehler macht. Was also sollte man tun, wenn man als Hundehalter bzw. Tierhalter den Verdacht hegt, der Veterinär habe das Tier falsch behandelt? Das Problem ist nämlich: Man muss als Tierhalter den Verdacht beweisen. Und das kann sich äußerst schwierig gestalten. Generell haftet der Tierarzt nämlich dann, wenn er das Tier nicht so behandelt, wie es erforderlich gewesen wäre. Und hier trifft den Kläger grundsätzlich die volle Beweislast. Nur, wenn es sich um einen groben Behandlungsfehler handelt, tritt eine sogenannte Beweislastumkehr ein. Heißt, der Tierarzt muss dann beweisen, dass er nicht grob fahrlässig gehandelt hat.

Was tun, wenn der Tierarzt Fehler ernste Konsequenzen hat?

Was tun, wenn der Tierarzt Fehler ernste Konsequenzen hat?

Im Fall des Falles ist immer empfehlenswert, sich eine zweite Meinung bei einem anderen Tierarzt einzuholen. Dazu sollten auf jeden Fall die kompletten Behandlungsunterlagen mitgebracht werden. Dazu zählen auch Röntgenbilder bzw. Laborberichte. Euer Tierarzt ist übrigens verpflichtet, Euch auf Wunsch Kopien seiner Behandlungsunterlagen auszuhändigen. Begründen könnt Ihr dies als Halter damit, dass Ihr die kompletten Unterlagen selbst haben möchtet.

Auch solltet Ihr Euren Tierarzt möglichst zeitnah auf den möglichen Tierarzt Fehler angesprechen. Im besten Fall für beide Seiten lässt die Angelegenheit so schnell und einvernehmenlich regeln. Jeder Tierarzt hat eine Haftpflichtversicherung, so dass er einen Schaden nicht aus eigener Tasche bezahlen muss.

Tierarzt wegen Behandlungsfehler verklagen?

Könnt Ihr die Sache nicht gütlich untereinander klären, könnt Ihr euch im nächsten Schritt an die für Euer Bundesland zuständige Landestierärztekammer wenden. Einige Landestierärztekammern haben für Probleme mit einem Tierarzt Fehler extra Schlichtungsstellen, die in diesen Fällen eben zwischen Tierarzt und Halter schlichten sollen, damit es gar nicht erst zu einem Fall vor Gericht kommt.

Ihr solltet immer bedenken: Euer Tierarzt kann bei einem begangenen Fehler dazu verpflichtet sein, die weitere Behandlung oder Schadenersatz zu bezahlen. Betonung liegt auf „kann“. Denn Euer ideeller Verlust zählt nicht, Schadensersatz gibt es meist nur bei wirklich wertvollen Tieren. Grundsätzlich ist der Weg zum Gericht für beide Seiten riskant und für Euch erstmal teuer, sofern Ihr keine Rechtschutzversicherung habt, denn Ihr müsst die Kosten für das Gericht, eventuelle Sachverständige usw. dann erstmal aus eigener Tasche bezahlen. Gewinnt dann der Tierarzt den Prozess, müsst Ihr auch noch seine Kosten erstatten.

Tierarzt wegen Behandlungsfehler verklagen?

Tierarzt wegen Behandlungsfehler verklagen?

Im Prozess geht es zum einen um die oft schwer zu beantwortende Frage, Zu klären gibt es im Prozess natürlich, ob Euer Tierarzt seine Pflichten wie die korrekte Untersuchung, Diagnose und Prognose verletzt hat. Oder etwa die Gabe von Medikamenten falsch war oder er seine Sorgfaltspflicht bzw. Aufklärungspflicht gegenüber dem Tierhalter verletzt hat. Ist dem so muss geklärt werden, ob dadurch überhaupt der Schaden verursacht worden ist oder z. B. das Tier auch verstorben wäre, wenn der Tierarzt es richtig behandelt hätte.

Ob man sich unter den Umständen wirklich durch einen langwierigen und kostspieligen Prozess quälen möchte, kann nur jeder für sich selbst beantworten. Ich jedenfalls bin froh, dass wir die Angelegenheit für uns so schnell und einigermaßen schmerzfrei zu den Akten legen konnten.

 

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2 Kommentare
  1. Regine Baumgart sagte:

    Der Beitrag ist von großer Wichtigkeit für alle Hundebesitzer. Es ist wichtig demnach, sich bei einer Impfung das Verfallsdatum mitteilen zu lassen um so etwas von vornherein auszuschließen

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    • Kellie Jaxson sagte:

      Ich denke auch, dass man viel mehr kontrollieren sollte. Der Impfausweis ist durch 5 verschiedene Hände gegangen, davon 2 verschiede Tierärzte und trotzdem ist es nicht aufgefallen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte es sich um Tollwut gehandelt hätte und man im Ausland gewesen wäre.

      Antworten

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